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Das Massengrab im Mittelmeer

Ein Vorgehen, das sich immer weiter verbreitet. Erst am Mittwoch ging das Jahr 2014 mit einem ähnlichen Flüchtlingsdrama zu Ende, eine Katastrophe

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Das Massengrab im Mittelmeer

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Ein Vorgehen, das sich immer weiter verbreitet. Erst am Mittwoch ging das Jahr 2014 mit einem ähnlichen Flüchtlingsdrama zu Ende, eine Katastrophe konnte knapp abgewendet werden. Der italienischen Küstenwache gelang es, den Frachter “Blue Sky M” nach Gallipoli zu leiten. Das Schiff unter moldauischer Flagge war offenbar seit Tagen führerlos in der Adria getrieben. An Bord fast 800 Flüchtlinge, unter ihnen 35 Kinder und eine Hochschwangere. Ohne Trinkwasser, Nahrung oder Decken. Die meisten Migranten stammen aus dem Bürgerkriegsland Syrien.

Wieder ist es ein ein großer Frachter mit Hunderten Migranten an Bord, zurückgelassen im Mittelmeer. Wieder fehlt von der Besatzung, die keine Festnahme riskieren will, jede Spur.
Wahrscheinlich türmte sie oder mischte sich unter die Flüchtlinge, um nicht aufzufliegen. Für eine Überfahrt verlangen Menschenschmuggler oft mehrere Tausend Euro.

Sie endete 2014 für mehr als 3.000 Menschen tödlich. Seit 15 Jahren sind es insgesamt 23.000 Flüchtlinge, die auf hoher See den Tod fanden. Wie die 400 Menschen auf dem Fischkutter, der 2013 vor Lampedusa unterging. Ein Drama, das Italien wenig später zum Einsatz “Mare Nostrum” veranslasste. Eine breite Rettungsaktion, die finanziell hauptsächlich von Rom getragen wird.

Durch sie konnten innerhalb eines Jahres 150.000 Leben gerettet werden. 114 Millionen Euro kostete der Großeinsatz das Land. “Mare Nostrum” wurde im November von “Triton” abgelöst, eine Mission der europäischen Grenzschützer von Frontex. Daran beteiligen sich 21 Staaten mit 21 Schiffen, vier Flugzeugen, einem Hubschrauber und 65 Mitarbeitern. Das monatliche Budget: fast 3 Millionen Euro – nur ein Drittel der Summe, die Italien aufbrachte.

Doch Menschenrechtler kritisieren “Triton”, weil es sich nun um Grenzsicherung handele, nicht mehr in erster Linie um die Rettung von Menschen in Seenot.
Das Mittelmeer ist nur eine von mehreren Immigrantenrouten, aber sie ist die meist benutzte. 2014 kamen nach Angaben des Innenministeriums in Rom insgesamt an die 170.000 Flüchtlinge auf dem Seeweg in Italien an. Das sind fast 500 Menschen jeden Tag.