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Nach dem Rubel der Euro? Anleger fliehen nach "Grexit"-Debatte

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Nach dem Rubel der Euro? Anleger fliehen nach "Grexit"-Debatte

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“Wichtigtuerei” (Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ)), “Unding” (deutscher Grünen-Haushaltspolitiker Sven-Christian Kindler) oder “Placebo-Diskussion” (CSU-Chef Horst Seehofer) – die deutsche Debatte über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone schwappt über die Grenzen und durch die Finanzmärkte.

Die Flucht aus dem Euro ist beträchtlich: “Insgesamt sind Euro-Reserven im Wert von 55 Milliarden abgebaut worden”, schätzt Finanzexperte Alan Ruskin, Deutsche Bank, New York.

Der Euro fiel – auch wegen Spekulationen über die ultra-expansiven Staatsanleihen-Käufe im großen Stil, die die Europäische Zentralbank (EZB) angekündigt hat.

Christian Kahler, DZ Bank, Frankfurt:

“Im Moment beherrscht die Diskussion über Griechenland Medien und Anleger. Aber auch die ausbleibenden Reformen in Frankreich und Italien verunsichern viele. Und deswegen fließt viel Geld nach Amerika, raus aus dem Euro.”

Die Gemeinschaftswährung fiel auf bis zu 1,1860 Dollar, den niedrigsten Wert seit fast neun Jahren.

Wichtigster Panikfaktor:

In Griechenland, mit gut 320 Milliarden Euro verschuldet, stehen am 25. Januar Neuwahlen an, bei denen die linkspopulistische Syriza-Partei die besten Aussichten hat, stärkste Kraft zu werden.

Nach Umfragen schätzen Experten das “Grexit”-Risiko auf 20 Prozent. “Grexit” – das wäre der Ausstieg Griechenlands aus dem Euro. Der Euro-Break-up-Index, den das Frankfurter Marktforschungsinstitut "Sentix" bei Investoren erfragt, ist auf den höchsten Wert seit August 2013 gestiegen.

“Über der europäischen Währung braut sich der perfekte Sturm zusammen”, fürchtet Währungsanalyst Steve Barrow von der Standard Bank in London.

Seine Kollegen kalkulieren schon mal die mögliche Kettenreaktion durch.

Fidel Helmer, Berater bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers, Frankfurt:

“Griechenland ist schon relevant für die Euro-Zone, denn ein Austritt Griechenlands würde die Befürchtungen schüren, dass es da noch weitere Kandidaten gäbe. Das wiederum würde zu einem Run auf die Banken führen, wo die Bankkunden ihre Gelder abziehen würden.”

Auslöser der deutschen Grexit-Debatte war ein unbestätigter Magazinbericht, nach dem die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble inzwischen im Gegensatz zu früheren Befürchtungen einen Ausstieg Landes aus dem Euro für verkraftbar hielten.

Griechenlands Leitindex Athex brach um mehr als fünf Prozent ein.

su mit dpa, Reuters