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Zwölf Tote bei Überfall auf französisches Satiremagazin "Charlie Hebdo"


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Zwölf Tote bei Überfall auf französisches Satiremagazin "Charlie Hebdo"

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Bei einem Anschlag auf das islamkritische französische Satiremagazin “Charlie Hebdo” in Paris sind zwölf Menschen getötet worden und acht verletzt, so Innenminister Bernard Cazeneuve. Unter den Opfern seien zwei Polizisten, so die Staatsanwaltschaft.

Nach Medienberichten (“Liberation” und “Figaro”) ist Herausgeber Stéphane Charbonnier unter den Opfern. Auch die bekannten Karikaturisten Jean Cabu, Stéphane Charbonnier, genannt Charb, auch Verlagsdirektor der Publikation, Bernard Verlhac, Künstlername Tignous, und Georges Wolinski sollen nach Medienberichten (“Le Parisien”) während einer Redaktionskonferenz am späten Vormittag gezielt hingerichtet worden sein. Mindestens sieben Menschen sollen verletzt sein, vier schwer, so Präsident François Hollande.

Die laut Cazeneuve drei bewaffneten Täter sind flüchtig und sprachen nach Zeugenaussagen perfekt französisch. Nach Angaben der Polizei waren sie unter anderem mit einer Kalaschnikow bewaffnet. Laut Augenzeugen riefen die Angreifer: “Wir haben den Propheten gerächt”, so eine Polizeiquelle und “Allah ist groß”.

Präsident François Hollande fuhr umgehend zum Tatort im Osten der Stadt. In einer ersten Reaktion nannte er den Anschlag eine Barbarei und einen “Schock für Frankreich”. Es handele sich zweifellos um einen Terrorakt. Das Kabinett wurde zu einer Sondersitzung einberufen. Für den Großraum Paris gilt seit dem Anschlag die höchste Sicherheitsstufe.

Medien, Kaufhäuser, Kirchen und Transport in der Region Paris stehen nach Angaben aus dem Sitz des Ministerpräsidenten unter “erweitertem Schutz”.

“Alle verfügbaren Kräfte sind mobilisiert und zivile und militärische Verstärkungen werden im Terrorismus-Alarm “Vigipirate” eingesetzt,” den Ministerpräsident Manuel Valls auf die höchste Stufe “Angriff Alarm” angehoben habe, so dessen Büro in einer Pressemitteilung. “Alle Mittel werden eingesetzt, um die Täter zu identifizieren, aufzuspüren und zu vernehmen.”

Das Weiße Haus in Washington hat den Angriff “auf’s Schärfste” verurteilt, man sei “solidarisch mit den Familien derer, die bei diesem Angriff getötet und verletzt wurden,” so der Sprecher Josh Earnest von US-Präsident Barack Obama. Der französische Rat der Muslime verurteilte den Anschlag als “barbarischen Akt” gegen “die Demokratie.”

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker nannte die Attacke “brutal und unmenschlich”, “dies
ist eine unerträgliche Tat, eine Barbarei”. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Kondolenztelegramm: “Diese abscheuliche Tat ist nicht nur ein Angriff auf das Leben
französischer Bürgerinnen und Bürger und die innere Sicherheit Frankreichs.” Sie stelle auch einen Angriff auf die Meinungs- und
Pressefreiheit dar, “der durch nichts zu rechtfertigen ist”. Deutschland stehe eng an der Seite “unserer französischen Freunde”.

“Mörder, die ihre Tat mit einer Religion zu rechtfertigen versuchen, sind genauso Verbrecher wie alle anders motivierten Mörder auch,” so der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Gregor
Gysi, ein Jurist. Es dürfe nicht hingenommen werden, wenn Rassisten und Ausländerfeinde eine solche fürchterliche Tat dazu missbrauchten,
ihre Parolen gegen friedliche Mitbürger anderer Herkunft in Deutschland zu verschärfen.

Das Magazin war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen in der Kritik gewesen. Nach der Veröffentlichung einer “Scharia”-Sonderausgabe mit einem “Chefredakteur Mohammed” waren die Redaktionsräume schon im November 2011 in Flammen aufgegangen. Die Internetseite war zudem
mehrfach von Hackern angegriffen worden.

Im September 2012 sorgte “Charlie Hebdo” mit Mohammed-Karikaturen für Aufsehen. Nach der Veröffentlichung mussten französische
Einrichtungen in einigen Ländern aus Sicherheitsgründen zeitweise geschlossen werden.

Am 2. Januar 2013 veröffentlichte “Charlie Hebdo”
eine Comic-Biographie von Mohammed (“La Vie De Mahomet”). Die Internet-Seite von “Charlie Hebdo” war tagelang von Hackern gestört.

Seine neueste Ausgabe widmete das Magazin dem neuen Roman des französischen Skandal-Autors Michel Houellebecq. Er beschreibt die Machtübernahme durch einen muslimischen Präsidenten in Frankreich im Jahr 2022.

Die 1970 gegründete Satirezeitung ging aus dem verbotenen Vorgängerblatt “Hara-Kiri” hervor. Autoren und Zeichner von “Charlie Hebdo” scheren sich nicht um Begriffe wie politische Korrektheit. Zu
den Attackierten zählen Mächtige aus Politik und Wirtschaft genauso wie Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer.

Auch wegen einer bitterbösen Papst-Sonderausgabe gab es Klagen. “Charlie
Hebdo” erscheint auf Zeitungspapier mit einer Auflage von in der Regel 75 000 Exemplaren.

su mit dpa, AFP, Reuters

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