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Plantu: "Man muss jetzt intelligenter sein - wie beim Schach, immer ein, zwei Züge voraus"

Die Auflage der wöchentlich erscheinenden “Charlie Hebdo” liegt in der Regel bei höchstens 75.000 Exemplaren, 200.000 waren es bei den

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Plantu: "Man muss jetzt intelligenter sein - wie beim Schach, immer ein, zwei Züge voraus"

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Die Auflage der wöchentlich erscheinenden “Charlie Hebdo” liegt in der Regel bei höchstens 75.000 Exemplaren, 200.000 waren es bei den Mohammed-Karikaturen – in der kommenden Woche gehen eine Million Exemplare in Druck. “Le Monde” bringt täglich eine Karikatur des bekannten Zeichners Plantu auf ihrer Titelseite. Wir haben ihn in Paris getroffen. Er hat sich Gedanken über die Zukunft der Satirezeitung gemacht:

“Es gibt jemanden, der ihnen Geld geben will, um ihnen zu helfen. Denn in den kommenden 15 Tagen wird ‘Charlie Hebdo’ natürlich weiter veröffentlicht und gekauft”, sagt Plantu. “Wir wollen uns aber auf die Zukunft in sechs Monaten, in einem, zwei Jahren vorbereiten. Diese Person, die ihnen Geld geben will, kennt mich gut, auch die Welt der Kreativen. Sie sagt: ‘Sagen Sie mir, was sie brauchen, ich gebe es ihnen’.”

Bei dem Anschlag wurden die wichtigsten Karikaturisten von “Charlie Hebdo” erschossen. In Frankreich ist das Blatt Kult. Was hat sich mit dem Anschlag geändert?

Plantu: “Wenn wir unseren magischen Stift nehmen, geben wir alles, unsere ganze Meinung. Wir haben unsere Leser, unsere Freunde, wir kennen sie. Manchmal sind da aber nicht nur Leser, manchmal ist da irgendein Irrer auf der Straße, der auf Sie wartet. Das ist nicht nur ein Problem von Zeichnern, das haben auch Journalisten. Das ist ein Problem der europäischen Bürger, des ganzen Planeten. Denn jetzt müssen wir bedenken, dass unsere Zeichnungen auch von Leuten gesehen werden, die wir nicht unbedingt kontrollieren können. Man darf nicht feige sein, aber man muss intelligenter sein. Wie beim Schach, muss man immer ein, zwei Züge voraus sein.”