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Nach den Attentaten in Paris: Diese Fragen bleiben offen

Warum wurden die Kouachi-Brüder und Amedy Coulibaly nicht überwacht? Tage nach den Attentaten auf Paris bleiben viele Fragen offen. Wir haben einige zusammengestellt.

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Nach den Attentaten in Paris: Diese Fragen bleiben offen

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Tage nach den Attentaten auf Paris bleiben viele Fragen offen. Wir haben einige zusammengestellt.

- Warum wurden die Kouachi-Brüder und Amedy Coulibaly nicht überwacht?

Chérif (32) und Saïd (34) Kouachi waren der französischen Polizei bekannt. Französischen Medien zufolge wurden sie jahrelang überwacht. Saïd Kouachi soll sich mehrfach im Jemen aufgehalten haben, dort soll er führende Al-Qaida-Mitglieder getroffen haben und an Waffen ausgebildet worden sein, das hätten US-Geheimdienste an die französischen Dienste weitergegeben, so die Zeitung "Le Parisien" , die sich auf diplomatische Quellen beruft.

Die Sicherheitsbehörden wussten offenbar auch, dass sein Bruder Chérif zur Gruppe “Buttes-Chaumont” gehörte, die in dem Pariser Wohnbezirk junge muslimische Gotteskrieger für den Dschihad im Irak rekrutieren sollte. Chérif Kouachi wurde 2005 verhaftet, als er selbst in den Mittleren Osten reisen wollte.

Beide Brüder standen den Berichten zufolge in den USA unter Terrorverdacht. Sie durften demnach nicht per Flugzeug in die Vereinigten Staaten einreisen. Die französischen Behörden haben die Überwachung der Brüder 2011 verstärkt, so heißt es in den Berichten. Es seien jedoch keine Hinweise auf Verbindungen zum radikalen Islamismus gefunden worden. Deswegen wurde die Überwachung im Sommer 2014 wieder aufgehoben, so “Le Parisien”.

Regierungschef Manuel Valls räumte nach dem Anschlag mit zwölf Toten am vergangenen Mittwoch ein, dass es “Lücken” gebe. Angesichts der Vielzahl der potenziellen Sympathisanten radikaler islamistischer Gruppen seien die Dienste aber überfordert. Rund 1400 Menschen, die in Frankreich leben, seien bereits nach Syrien oder in den Irak in den Dschihad gezogen oder beabsichtigten dies zu tun.

- Warum wurde “Charlie Hebdo” nicht besser vor Angriffen geschützt?

Das Satiremagazin wurde wegen seiner Karikaturen, die sich oft über radikale Islamisten lustig machten, bereits mehrfach bedroht. 2011 hatte es einen Brandanschlag auf die Redaktion gegeben, nachdem das Blatt zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem “Chefredakteur Mohammed” herausgebracht hatte. Die Übernahme der dänischen Mohammed-Karikaturen löste wütende Proteste aus. Redaktionsleiter Stéphane Charbonnier, genannt “Charb”, erhielt Morddrohungen. Er stand wie das Redaktionsgebäude unter Polizeischutz.

- Wieso hat es länger als 48 Stunden gedauert, bis die Attentäter ausgeschaltet wurden?

Chérif und Saïd Kouachi waren länger als zwei Tage auf der Flucht. Der Angriff auf das Redaktionsgebäude von “Charlie Hebdo” im 11. Pariser Arrondissement ereignete sich am Mittwoch, 7. Januar, gegen 11.30 Uhr. Der Zugriff auf die Flüchtigen erfolgte am Freitag, 9. Januar, gegen 17 Uhr. Die Brüder hatten sich in einer Druckerei in der Kleinstadt Dammartin-en-Goëlle, etwa 40 Kilometer nordöstlich von Paris entfernt, verschanzt. Sie wurden getötet, ihre Geisel blieb am Leben.

Die Brüder waren mit einem Auto vom Tatort geflohen. Den Kleinwagen ließen sie am nordöstlichen Pariser Stadtrand zurück. Sie überfielen einen Autofahrer und flohen mit dessen Wagen. 3000 Beamte suchten die Verdächtigen. Am Donnerstagmorgen meldete ein Tankstellenbesitzer in Villers-Cotterêts im Departement Aisne, er habe die Männer erkannt. Eliteeinheiten durchkämmten die ländliche Gegend in der Picardie, nördlich von Paris. Helikopter waren im Einsatz. Nach einer Verfolgungsjagd mit Polizisten auf einer Nationalstraße in der Nähe am Freitagmorgen verschanzten sich die Verdächtigen in der Druckerei. Die Spezialeinheiten versuchten zu verhandeln. Am Nachmittag erfolgte der Zugriff. Die Brüder stürmten aus dem Gebäude und wurden erschossen.

- Warum wurde eine Verbindung zwischen dem Anschlag auf “Charlie Hebdo” und dem Angriff in Montrouge zunächst nicht bekannt?

Ein Unbekannter eröffnete am Donnerstagmorgen im südlich von Paris gelegenen Montrouge das Feuer auf zwei Polizisten. Eine Beamtin wurde tödlich verletzt. Der zweite Polizist überlebte den Angriff. Der Täter konnte fliehen. Innenminister Bernard Cazeneuve sagte zunächst, es gebe bisher keine Hinweise auf eine Verbindung zu dem Anschlag auf “Charlie Hebdo”.

Während sich die Kouachi-Brüder in der Druckerei verschanzten, griff ein weiterer Attentäter einen koscheren Supermarkt in Paris an. Amedy Coulibaly tötete vier Geiseln. Eine Spezialeinheit stürmte den Supermarkt und tötete den Angreifer. Die Polizei geht davon aus, dass Coulibaly und der Angreifer von Montrouge ein und derselbe Mann sind.

Offenbar haben sich Coulibaly und die Kouachi-Brüder bei ihren Taten eng abgestimmt, das berichten französische Medien. In einem Gespräch sagte Coulibaly, er habe sich mit den Brüdern Kouachi abgesprochen. Die beiden sollten das Satireblatt angreifen, er selbst wollte Polizisten ins Visier nehmen.

Chérif Kouachi hat den Supermarkt-Angreifer im Gefängnis kennengelernt. Die Geheimdienste wussten offenbar von 500 Telefongesprächen zwischen Kouachi und Coulibaly, das schreibt der Radiosender "France Info".

- Wo ist Hayat Boumeddiene?

Die 26-Jährige soll an dem Mord an der Polizistin in Montrouge beteiligt sein. Sie war die Ex-Freundin oder Freundin von Coulibaly. Ihr Aufenthaltsort ist derzeit nicht klar. Der türkischen Regierung zufolge befand sie sich bereits zum Zeitpunkt des Anschlags nicht mehr in Frankreich. Boumeddiene sei am 2. Januar von Madrid nach Istanbul geflogen, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu. Sie sei später nach Syrien ausgereist. Das gehe aus ihren Telefondaten hervor.

- Wie kamen die Täter an Waffen?

Amedy Coulibaly hat dem französischen Fernsehsender BFMTV zufolge in einem Telefongespräch mit den Journalisten gesagt, er sei von Al-Qaida ausgebildet und finanziert worden. Die Fahnder verfolgen diese Spur offenbar. Sie wollen nun herausfinden, woher die Waffen der Terroristen stammten und ob die Männer Anweisungen erhielten, “aus Frankreich, dem Ausland oder dem Jemen”, so der Staatsanwalt von Paris, François Molins.