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Nase vorn für Airbus gegen Boeing - Werke ausgebucht, Preise steigen

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Nase vorn für Airbus gegen Boeing - Werke ausgebucht, Preise steigen

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Bei Airbus sind die Auftragsbücher voll, der Rivale Boeing ist bei den Neubestellungen abgehängt. Die Firma stellte 2014 mit 629 Flugzeugen einen neuen
Produktionsrekord auf. Der Wermutstropfen: Kaum einer will das größte Passagierflugzeug der Welt, den A380. Die Konzernspitze erwägt sogar, die Notbremse zu ziehen. Keine einzige neue Airline kam als Kunde für den Riesenjet dazu. Für Boeings größtes Modell 747-8 gab es zwei Neuaufträge – und zwei
Abbestellungen. Reißenden Absatz fanden bei Airbus vor allem die Mittelstreckenjets
der A320-Familie, die wie das Konkurrenzmodell Boeing 737 den
Großteil der Verkäufe ausmachen.

Airbus verkaufte im vergangenen Jahr 1456 Flugzeuge, 24 mehr als sein
US-Konkurrent. Bei den Auslieferungen steht es dagegen 723 gegen 629 für Boeing, auch deren Wert der Neuaufträge ist deutlich höher.

So summierten sich die Neuaufträge bei Airbus laut Preisliste auf 148 Milliarden Euro. Boeing kam wegen des höheren Anteils von Großraumjets auf ein Drittel mehr (198 Milliarden Euro).

Beide Flugzeugbauer sitzen auf einem Auftragspolster von rund 6.000 Maschinen (Airbus 6386, Boeing 5789 Maschinen). Bei Airbus ist die Produktion des neuen spritsparenden Langstreckenjets A350
bis zum Jahr 2021 ausgebucht.

Airbus hat seine Preise ab Januar erhöht, im Schnitt um 3,27 Prozent. Nicht etwa wegen gestiegener Kosten – wegen der anhaltend hoher Nachfrage, so Verkaufschef John Leahy. Airbus könne so noch profitabler werden.

Auf die Listenpreise sind in der
Flugzeugbranche bisher Rabatte üblich, die in manchen Fällen sogar 50
Prozent erreichen können. Für den spritsparenden Kassenschlager
Airbus A320neo werden laut Preisliste nun 106,2 Millionen Dollar
fällig. Der neue Großraumjet A350 kostet in der Standardversion 304,8
Millionen Dollar, und der doppelstöckige A380 schlägt mit 428
Millionen Dollar zu Buche.

Airbus-Verkaufschef John Leahy fürchtet trotz des Ölpreis-Einbruchs nicht um neue Aufträge für sparsamere Flugzeugmodelle. “Die Fluggesellschaften verdienen wegen des
niedrigen Ölpreises mehr Geld. Daher tendieren sie dazu, mehr neue
Flugzeuge zu kaufen”.

su mit dpa

Antoine Juillard, euronews:

“Fabrice Brégier, Sie sind der Chef der Verkehrsflugzeugsparte von Airbus. Vielen Dank für Ihre Zeit. Dem neuesten Airbus A350 wird eine vielversprechende wirtschaftliche Zukunft prophezeit: Was erwarten Sie, welchen Ehrgeiz haben Sie bei Airbus für diesen Langstreckenflieger?”

Fabrice Brégier, Chef der Verkehrsflugzeugsparte von Airbus:

“Wir haben dieses neue Flugzeug mit vielen Verbundwerkstoffen ausgestattet, einschließlich des gesamten Rumpfes, der Flügel; um es leichter zu machen´, damit es weniger Kraftstoff verbraucht. Seit 2007 waren das acht Jahre der Bemühungen, bis zur Auslieferung der ersten Maschine an Qatar Airways. Jetzt gehen wir in Serie. Wir haben bereits 750 Bestellungen und 40 Kunden. Wir werden mit diesem Flieger den Markt aufrollen, in der Größenordnung von 6.000 Maschinen. Also: Die Latte liegt hoch für die Zukunft auf lange Sicht, für Airbus und die gesamte europäische Luftfahrtbranche.”

euronews:

“Der A350 könnte also die kommerzielle Lokomotive von Airbus werden. Diese Rolle schafft der A380 nicht, wegen des geringen Absatzes. Steht da eine Entscheidung an, ob der A380 weiter hergestellt wird?”

Fabrice Brégier:

“Nein, für den A380 war 2014 mit 30 gelieferten Flugzeugen ein gutes Jahr. Und in diesem Tempo wird es in den nächsten Jahren weitergehen. Wir haben jetzt ein extrem positives Echo von unseren Kunden, den Fluggesellschaften und ihren Passagieren. Dieses Flugzeug bietet ein unvergleichliches Maß an Komfort und wie Sie wissen, verdoppelt sich der Luftverkehrsmarkt etwa alle 15 Jahre. Das heißt immer mehr Großflugzeuge wie der A380 werden gebraucht, er wird also seinen Weg machen, je größer der Markt wird, desto mehr. Eines künftigen Tages werden wir uns den Fortgang des aktuellen A380 vornehmen. Aber auf der Tagesordnung steht das nicht.”

euronews:

“Was bedeutet die Abwertung des Euro für Airbus, in Zahlen oder als Idee?”.

Fabrice Brégier:

“Der Rückgang des Euro ist für alle Exportindustrien sehr wichtig, und wir exportieren 100%. Wir stehen einem Konkurrenten Boeing gegenüber, der in Dollar abrechnet. Dies wirkt sofort bei kleineren Unternehmen, die keine Devisenabsicherungsgeschäfte machen. Wir sind da weniger anfällig für Schwankungen nach der einen oder der anderen Seite. Aber letztlich kann man sagen, 10 Euro-Cent gegenüber dem Dollar haben oder nicht haben, das macht eine Milliarde mehr oder weniger für Airbus. Auf lange Sicht ist der Kurs also tatsächlich sehr wichtig.”

Fabrice Brégier, Chef der Verkehrsflugzeugsparte von Airbus, vielen Dank.