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"Charlie Héros", ein Plagiat zu Ehren von Charlie

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"Charlie Héros", ein Plagiat zu Ehren von Charlie

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“Je suis Charlie – Ich bin Charlie” diesen inzwischen weltberühmten Spruch nahm eine Zeichner- und Verleger-Initiative im französischen Lyon beim

“Je suis Charlie – Ich bin Charlie” diesen inzwischen weltberühmten Spruch nahm eine Zeichner- und Verleger-Initiative im französischen Lyon beim Wort. Und brachte als Reaktion auf das Attentat ein eigenes Satiremagazin heraus, “Charlie Héros”, eine kollektive Hommage an die Helden von Charlie. 8000 Exemplare wurden am Tag der Großdemonstration in Lyon verteilt.

Frédéric Ponsard, euronews: “Hier, in den Räumen einer Lyoner Kommunikationsagentur, hat alles angefangen, nur wenige Stunden nach dem Attentat auf Charlie Hebdo”

Jean-Charles Lavégie, Künstlerischer Direktor, “Charlie Héros”: “Wir standen unter Schock. Und ich sagte irgendwann, wir müssten eine gefälschte Version von ‘Charlie Hebdo’ machen. Olivier Darfeuille, mein Agenturpartner, war einverstanden. Wir schickten Mails an Zeichner und Illustratoren in unserem Bekanntenkreis und fragten sie, ob sie mitmachen wollten. Wir stießen sofort auf regen Zuspruch und erhielten Originalzeichnungen von Leuten, die unbedingt abgedruckt werden wollten.”

Einen Tag vor der Veröffentlichung der ersten offiziellen “Charlie Hebdo”-Ausgabe nach dem Attentat brachten auch die Lyoner Karikaturisten ihr Plagiat erneut in Druck, auf eigene Kosten und unter Mitwirkung vieler ehreamtlicher Helfer, und verteilten die Zeitung gratis vor dem Lyoner Rathaus.

euronews: “Die starke Reaktion hat Sie selbst überrascht?”

Olivier d’Arfeuille, Cartoonist: “Ja, denn wir haben das gestartet und uns gesagt, wir werden schon sehen. Und waren dann ein bisschen in Panik angesichts des großen Echos. Die Sache verselbstständigte sich im Internet und wir wurden mit Zeichnungen überflutet. Wir arbeiteten die ganze Nacht und auch am nächsten Tag riss der Strom nicht ab, selbst nach Redaktionsschluss. Wir haben unglaublich viele Zeichnungen zugeschickt bekommen.”

Viele Frustrierte, die bei der ersten Gratisverteilung leer ausgegangen waren, standen diesmal wieder in der Schlange.

Eine ältere Frau sagte: “Ich habe viele Freunde, die nicht selbst herkommen konnten, die aber unbedingt ein Exemplar haben wollen. Denn bei der Demo waren wir zu spät am Stand. Das ist ein Symbol der Pressefreiheit, wir machen weiter und stehen aufrecht, wir lesen weiterhin diese Art von Presse.”

Eine Stunde warten, das habe sich gelohnt, scherzte ein Mann vor dem Zeitungsstand. “Vielen Dank ‘Charlie Héros’!”

Eine junge Frau vertrat einen etwas anderen Standpunkt: “Charlie Charlie Héros, das ist doch dasselbe wie Charlie Hebdo. Ich finde das Attentat abscheulich, und es wird von allen verurteilt, auch von Muslimen. Aber diese Karikaturen sind nun Mal reine Provokation.”

Auch die Neuauflage von Charlie Héros, 3000 Exemplare, ging weg wie warme Semmeln.

Jean-Charles Lavégie, Künstlerischer Direktor, “Charlie Héros”: “Das ist gut gelaufen. Es waren viel mehr Leute da, als erwartet. Am Anfang war es ein bisschen chaotisch, da wurde ganz schön geschubst, jeder wollte zuerst dran sein. Ein paar Exemplare sind sogar noch übrig, wir wollten nicht zu viele auf einmal weggeben.”

Inzwischen hat sich ein Geldgeber für die dritte Auflage von “Charlie Héros” gefunden, die in den kommenden Tagen in Lyon verteilt werden soll. Immer noch gratis und in Erinnerung an Charlie.