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Boko Haram: Islamisten ermorden Tausende Menschen in Nigeria

Seit 2002 gibt es sie, seit 2009 wird der Terror der islamistischen Gruppe Boko Haram in Nigeria immer schlimmer. Ihr Ziel: ein Kalifat, in dem die

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Boko Haram: Islamisten ermorden Tausende Menschen in Nigeria

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Seit 2002 gibt es sie, seit 2009 wird der Terror der islamistischen Gruppe Boko Haram in Nigeria immer schlimmer. Ihr Ziel: ein Kalifat, in dem die Scharia angewandt wird. In den vergangenen Monaten spitzte sich die Lage sogar noch weiter zu. Wie in Baga haben die Islamisten mehrere Städte überrannt und Tausende Tote hinterlassen. Massaker ohnegleichen: Amnesty International veröffentlichte jetzt Satellitenbilder von den Städten Baga und Doron Baga am Ufer des Tschadsees. Die Rede ist von bis zu 2000 Todesopfern.

Immer häufiger benutzen die Islamisten von Boko Haram Frauen und Mädchen, um ihren Terror zu verbreiten. Eine Zehnjährige soll sich am 10. Januar auf einem gut besuchten Markt in Maiduguri in die Luft gesprengt haben, mindestens 20 Menschen wurden dabei getötet.

Experten befürchten, dass Boko Haram sich wie die Terrorgruppe Islamischer Staat im Nahen Osten zu einer Bedrohung über Nigeria hinaus ausweiten könnte. Bis vor kurzem konzentrierte sich die Gruppe auf den Nordosten Nigerias, doch nun werden auch die Nachbarländer Tschad und Kamerun immer tiefer in den Konflikt hineingezogen.

Die sunnitischen Fundamentalisten werden für Dutzende Selbstmordattentate in der Region verantwortlich gemacht. Schätzungen gehen davon aus, dass in den vergangenen Jahren bereits mehr als 15.000 Menschen bei Attentaten oder Angriffen getötet wurden. Über Organisationsstrukturen und Mitgliederzahlen der ursprünglich als Sekte ins Leben gerufenen Boko Haram liegen keine gesicherten Informationen vor.

Frauen haben im Weltbild von Boko Haram keinen Platz. Weltweit von sich Reden machten die Islamisten, als sie im vergangenen April 276 Schülerinnen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren entführten. Sie sollen entweder zwangsverheiratet oder als Sklavinnen verkauft worden sein. Die Familien haben längst die Hoffnung darauf verloren, dass die Regierung ihnen helfen könnte.

Der ölreiche westafrikanische Staat ist stolz darauf, sowohl das bevölkerungsreichste Land als auch die größte Volkswirtschaft des Kontinents zu sein. Doch im Kampf gegen Boko Haram erscheint die Regierung des christlichen Präsidenten Goodluck Jonathan hilflos. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl am 14. Februar überziehen sich der Amtsinhaber und sein muslimischer Herausforderer Muhammadu Buhari vor allem mit gegenseitigen Schuldzuweisungen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind seit 2009 rund eine Million Menschen in andere Landesteile oder Nachbarländer geflohen. Wie die jüngste Offensive zeigt, setzt Boko Haram zur Machtsicherung inzwischen auf eine Politik der verbrannten Erde. Und zwar im wörtlichen Sinn.