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Schweizerische Nationalbank hält Euro nicht länger bei 1,20 Franken

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Schweizerische Nationalbank hält Euro nicht länger bei 1,20 Franken

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Damit hatte kaum einer gerechnet: Schnell entschlossen hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) den seit mehr als drei Jahren geltenden Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufgegeben – eine radikale Kehrtwende. Die Euro-Kursuntergrenze war im September 2011 zum Schutz der exportorientierten Industrie festgesetzt worden.

Thomas Jordan – Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank:

“Bei der Gestaltung ihrer Geldpolitik trägt die Nationalbank auch zukünftig der Wechselkurssituation Rechnung. Sie bleibt deshalb bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv, um die monetären Rahmenbedingungen zu beeinflussen.”

Noch Anfang Januar hatte er den Mindestkurs als unverzichtbar bezeichnet. “Der Mindestkurs ist absolut zentral, um adäquate, richtige monetäre Bedingungen für die Schweiz aufrechtzuerhalten”, so Jordan am 5. Januar.

Zur Schwächung der eigenen Währung hatte die Zentralbank jahrelang an den Devisenmärkte Euro gekauft – die Euroschwäche hatte den Druck verstärkt. Nach dem Beschluss brach die europäische Gemeinschaftswährung zeitweise um mehr als 28 Prozent ein, auf 0,86 Franken.

Christian Levrat, Ständerat und Präsident der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz:

“Also, erst mal bin ich sehr überrascht, sehr überrascht, dass sie die Politik aufgeben, wegen des Zeitpunkts und erstaunt, dass die Nationalbank diese Risiken für unsere Wirtschaft eingeht. Wenn der Franken und der Euro bei 1:1 landen, kann das Zehntausende von Arbeitsplätzen in der Exportindustrie kosten”.

Das Risiko einer Rezession in der Schweiz nehme nun schlagartig zu, meint UBS-Volkswirt Daniel Kalt. Am Aktienmarkt in Zürich sackte der Leitindex SMI um rund 10 Prozent ab.

su mit dpa, Reuters