Eilmeldung

Eilmeldung

Höhenflug der Schweizer Währung - Franken-Verdiener jubeln, Franken-Schuldner eher nicht

Sie lesen gerade:

Höhenflug der Schweizer Währung - Franken-Verdiener jubeln, Franken-Schuldner eher nicht

Schriftgrösse Aa Aa

Der abrupte Kurswechsel der Schweizerischen Nationalbank – ihre Abkehr von der systematischen Stützung des Euro – verunsichert kommunale Kämmerer, Kreditnehmer und Anleger.

Außerhalb der Schweiz hatten nicht nur deutsche Kommunen wie Essen (367 Millionen Euro), Bochum (180 Millionen Euro) oder Münster (118 Millionen Euro) der Versuchung niedriger Franken-Kreditzinsen nachgegeben und Kredite in Franken aufgenommen. Auch für sie gilt: “Für Euro-Verdiener ist die Zinsbelastung um 15 bis 20 Prozent gestiegen”, so André Marker, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse
Lörrach-Rheinfelden.

Die Pendler entlang der deutsch-schweizerischen Grenze wechseln nun Geld wie verrückt. Vor allem Franken in Euro. “Es sind im Durchschnitt zwischen 1.000 und 5.000 Franken”, hat Sparkassen-Mann Marker beobachtet. Der Umsatz der Sparkasse habe sich von einem Tag auf den anderen verzehnfacht. “Normalerweise haben wir Umsätze von 230.000 bis 300.000 Franken, nun liegt es zwischen 3 und 4 Millionen.”

Für die rund 40.000 Pendler aus Deutschland, die in der Schweiz arbeiten und täglich über die Grenze fahren, ist die Freigabe des Franken ein Grund zur Freude: “Wenn das Gehalt in Deutschland
versteuert und ausgegeben wird, ist das wie eine abrupte Gehaltserhöhung”, so der Chef der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee, Claudius Marx, in Konstanz. Damit hätten Arbeitnehmer von Schweizer Unternehmen rund 20 Prozent mehr Lohn in der Tasche.

Der Portugiese Jean lebt in Genf:

“Für mich ist es eine sehr gute Nachricht, für alles, für Urlaub, für’s Einkaufen – ja, ich kaufe oft in Frankreich ein, es ist wirklich billiger als in der Schweiz und jetzt umso mehr. Jetzt wird´s noch günstiger! Jetzt zugreifen, das ist die Chance”.

Das dachten auch viele Immobilien-Kreditnehmer in Osteuropa – vor der Entkopplung der Euro-Franken-Kurse – trotz schlechter Erfahrungen in den Jahren 2008 und 2009, als zahlreiche osteuropäische Banken in große Schwierigkeiten gerieten. Mehr als eine halbe Million Polen nahmen den Gegenwert von rund 31 Milliarden Euro auf und müssen jetzt in Zloty viel mehr zurückzahlen als erwartet.

Immobilienanalyst Marcin Krason:

“Bei einem Darlehen in einer Auslandswährung nimmt man bewusst ein gewisses Risiko auf sich. Diese 560.000 Personen zahlten ein paar Jahre lang sehr niedrige Schuldendienste, später ging es so, aber jetzt sind sie in einer üblen Lage.”

Auch der ungarische Forint wertete kräftig ab.
Und die Verschuldung in Franken ist in Ungarn am höchsten. Allerdings beteiligt sich der ungarische Staat am Kreditrisiko: Kreditnehmer können seit November vergangenen Jahres ihre Darlehen in die ungarische Heimatwährung Forint umtauschen.

Jedem, der das bisher nicht getan hat, wird nun dringend ans Herz gelegt, dies nachzuholen.

Nach drei Jahren gemanagter Stabilität bei 1,20 Franken war der Euro diese Woche auf unter einen Franken abgestürzt.

su mit dpa, Reuters