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Zwei Tage bis zur Wahl: Wie ist die Lage in Griechenland?

Der Wahlausgang scheint klar: Syriza führt in Umfragen - doch kann das Linksbündnis alleine regieren? Was wenn sie keine absolute Mehrheit erreicht?

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Zwei Tage bis zur Wahl: Wie ist die Lage in Griechenland?

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Griechenlands linke Syriza-Partei hat in Athen zur letzten großen Wahlkampfveranstaltung vor der Parlamentswahl am Sonntag geladen. Alexis Tsipras gab sich siegessicher. Aktuellen Umfragen zufolge liegt seine Partei mittlerweile mit etwa fünf Prozentpunkten vor der konservativen Partei Nea Dimokratia. Syriza soll demnach auf 36 Prozent der Stimmen hoffen dürfen. Vom Ausgang der vorgezogenen Parlamentswahl hängt die Fortsetzung des Sparkurses in Griechenland ab: Tsipras kündigte im Fall eines Wahlsiegs ein Ende der radikalen griechischen Sparpolitik an. Stattdessen will er sich um einen Schuldenschnitt bemühen.

Eleni Rizopoulou In Athen sprechen wir mit unserem Korrespondenten Stamatis Giannisis. Stamatis, zwei Tage Wahlkampf bleiben noch – auf welche Themen setzten die Parteien Nea Dimokratia und Syriza, die beiden Hauptkonkurrenten?

Stammatis Giannisis Hauptsächlich geht es in den Debatten zwischen Nea Dimokratia und Syriza um die Wirtschaft. Es gab heftige Schlagabtausche in den vergangenen Tagen zwischen den beiden Konkurrenten: Nea Dimokratia wirft Syriza vor, eine Geheimagenda zu verfolgen, nach der Griechenland aus dem Euro austreten soll. Syriza dementiert, nennt die Vorwürfe schlichtweg Unsinn. Es ist ein verzweifelter Versuch von Nea Dimokratia das Ruder noch einmal herumzureißen, obwohl klar ist, dass sie die Wahl bereits verloren hat. Als Konsequenz dieses Grabenkriegs haben jedenfalls einige Griechen bereits hohe Bargeldsummen von ihren Konten abgehoben – allerdings noch nicht in dem Maß, dass es die griechische Zentralbank nervös macht.

Eleni Rizopoulou Was passiert, wenn der Wahlsieger keine absolute Mehrheit erreicht? Um eine Regierung zu bilden, wird er dann Bündnisse mit kleineren Parteien im Parlament eingehen müssen. Der frühere Regierungschef Giorgos Papandreou, der 2010 das Rettungspaket aushandelte, hat seine frühere sozialistische Partei verlassen und eine neue sozialdemokratische Partei gegründet. Damit zielt er vermutlich darauf ab, Teil einer Regierungskoalition zu werden – sei es mit Nea Dimokratia oder Syriza.

Stammatis Giannisis So wie die Dinge im Moment stehen – ausgenommen von der rechtsextremen Goldenen Morgenröte und der Kommunistischen Partei Griechenlands – sind alle Parteien, die es in das neue Parlament schaffen, potenzielle Bündnispartner – sowohl für Syriza, als auch für Nea Dimokratia. Dazu gehört auch die Partei von Papandreou. Die aktuellen Umfragen sehen diese jedoch weit unter der Dreiprozenthürde, die eine Partei braucht, um in das Parlament einzuziehen. Hauptsächlich zieht die Partei Wähler der bislang wichtigsten sozialistischen Partei PASOK ab. Die wird es wohl ins Parlament schaffen, jedoch mit Einbußen. Einige ihrer bisherigen Wähler werden wohl für Papandreous Partei stimmen.