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Privatisierungen abgesagt - Börse Athen geschockt

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Privatisierungen abgesagt - Börse Athen geschockt

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Der linksgerichtete griechische Regierungschef Alexis
Tsipras will mit den internationalen Geldgebern schnell über eine Neuregelung des 320 Milliarden Euro großen Schuldenberges reden – knapp 32.000 Euro pro Kopf (Deutschland: 27.073 Euro).

Griechenland wünsche “keinen Bruch” mit den Geldgebern, werde aber auch “keine Unterwerfung” akzeptieren.

Nach dem Stopp der mit EU und IWF vereinbarten Privatisierung des Hafens von Piräus und des Energieversorgers PPC sackte die Börse in Athen um rund 8 (8,25) Prozent ab. Die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen schossen in die Höhe.

Der Hafen von Piräus ist der größte des Landes und einer der bedeutendsten im Mittelmeerraum. Vorgesehen war der Verkauf einer Beteiligung von 67 Prozent. Neben der chinesischen Cosco Gruppe waren noch vier weitere Anbieter in der engeren Wahl. Die Aktien der Hafengesellschaft sackten nach der Ankündigung um fast zehn Prozent ab, die Papiere des Energieversorgers PPC notierten fast 14 Prozent niedriger.

Auf der mit den Geldgebern vereinbarten Privatisierungsliste stehen unter anderen auch der zweitgrößte Hafen Thessaloniki und die Eisenbahngesellschaft Trainose. Die Gläubiger kritisieren seit Jahren, die Privatisierung verlaufe schleppend.

Tsipras kündigte einen Vier-Jahres Plan an, der zu einem ausgeglichenen Haushalt führen soll. Laut Arbeitsminister soll der Mindestlohn um 10 Prozent angehoben werden. Tausende im Zuge der Reformpolitik entlassene Staatsbedienstete würden wieder eingestellt, sagte der stellvertretende Verwaltungsreformminister Giorgos Katrougalos im griechischen Fernsehen. Um wie viele Stellen es geht, blieb zunächst unklar. Allein 2014 waren 9.500 Staatsbeschäftigte entlassen worden.

Unter das Kapitel Vetternwirtschaft werde ein Schlussstrich gezogen, so Tsipras. Der Klientelstaat solle verschwinden.

Die neue Regierung startet mit einem Milliardenloch im Haushalt. In
der offensichtlichen Hoffnung auf Steuersenkungen nach einem Sieg von
Syriza haben viele Griechen in den vergangenen zwei Monaten ihre
Steuern nicht gezahlt, soweit dies möglich war, so ein Mitarbeiter
des Athener Finanzministeriums nach Medienberichten (dpa). Es fehlten vier Milliarden Euro.

su mit dpa, Reuters