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DSK - wie ein Hoffnungsträger untragbar wurde

Man hat iIhm Chancen auf das höchste Staatsamt ausgerechnet. Jetzt beschäftigt er vor allem die Staatsanwälte – der tiefe Fall des Dominique Strauss

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DSK - wie ein Hoffnungsträger untragbar wurde

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Man hat iIhm Chancen auf das höchste Staatsamt ausgerechnet. Jetzt beschäftigt er vor allem die Staatsanwälte – der tiefe Fall des Dominique Strauss Kahn. An diesem Montag war Prozessauftakt in der Carlton-Affäre. Eigentlich droht dem früheren Chef des Internationalen Währungsfonds eine saftige Strafe, wahrscheinlicher ist jedoch die Einstellung des Verfahrens.

Am 26. März 2012 wurde gegen Strauss-Kahn wegen organisierter Zuhälterei mit besonderer Schwere Anklage erhoben. Seitdem ist er keinen Zentimeter von seiner ursprünglichen Verteidigungslinie abgewichen. Dem Anwalt Richard Malka zufolge erklärt DSK mit größter Entschiedenheit, sich zu keinem der genannten Verbrechen schuldig zu bekennen. Er habe nicht gewusst, dass es sich bei den Frauen um Prostituierte handelte. DSK wird verdächtigt, im Zentrum eines Zuhälterrings zu stehen. Die damals anwesenden Frauen bezeichnen ihn als Partyhengst und Mittelpunkt der ausschweifenden Sausen, die von einflussreichen Freunden im Carlton-Hotel in Lille veranstaltet wurden.

Doch darüber hinaus sorgt derzeit eine andere Untersuchung für Aufsehen. Nachforschungen von Journalisten zufolge soll die Beteiligung des Ex-IWF-Chefs an den ausschweifenden Sex-Partys Sex-Partys der höchsten Führungsriege Frankreichs, allen voran Nicolas Sarkozy, durchaus bekannt gewesen sein – durch das illegale Abhören von Telefongesprächen. Stellen sich die Fragen: Warum wurde DSK abgehört? Und von wem?

Eine Zeitreise. DSK ist 2011 auf dem Höhepunkt seines Ruhms: Der IWF-Chef wird als möglicher Präsidentschaftskandidat der französischen Linken gehandelt. Nicht nur bei den Sozialisten steht er hoch im Kurs, Umfragen zufolge würde er aus der kommenden Präsidentschaftswahl als Gewinner hervorgehen vor dem konservativen Nicolas Sarkozy und der rechtsextremen Marine Le Pen. DSK galt damals als einziger, der den scheidenden Präsidenten hätte schlagen können.

Dann der Wendepunkt: Weltweit verfolgen Fernsehzuschauer, wie DSK in New York in Handschellen abgeführt wird. Er wird verdächtigt, eine Reinigungskraft des Sofitel-Hotels vergewaltigt zu haben. Es folgen: Gefängnis, Prozess, Absturz und Schlagzeilen über DSKs sexuelle Praktiken; viele Menschen sind erschüttert, viele potentielle Wähler abgeschreckt. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich bekommt der sichtlich gealterte DSK keinen Fuß mehr auf den Boden – geschweige denn auf die politische Bühne. Die Carlton-Affäre versetzt ihm den Todesstoß – selbst wenn das Verfahren am Ende eingestellt wird. Bleibt abzuwarten, welche Verstrickungen noch ans Tageslicht kommen könnten.