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Tunesien und die Dschihadisten

Mehr als 3000 Tunesier haben seit 2011 im Syrienkrieg gekämpft, aus keinem anderen Land zogen mehr Dschihadisten in den Krieg. Ibrahim Ben

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Tunesien und die Dschihadisten

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Mehr als 3000 Tunesier haben seit 2011 im Syrienkrieg gekämpft, aus keinem anderen Land zogen mehr Dschihadisten in den Krieg.

Ibrahim Ben Abdelrahman erinnert sich daran, wie nach der tunesischen Revolution immer mehr junge Menschen für den Dschihad gewonnen wurden und ihre Heimat verließen, um zu kämpfen. Auch sein Freund Marwan gehörte dazu.

“Er ist ihnen gefolgt, der Al-Nusra-Front in Syrien und der Gruppe Islamischer Staat. Er ist fast einer von ihnen geworden”, so Ben Abdelrahman. “Seine Mentalität hat sich geändert. Er hat andere Moslems der Abkehr vom Glauben beschuldigt. Wenn wir mit ihm sprachen, war alles verboten. Er hat alles verneint und sich auf keine Diskussion eingelassen”, erzählt er.

Alaya Allani ist Geschichtsprofessor an der Universität Tunis und ein Spezialist für islamistische Strömungen in Nordafrika, er sagt: “Die jungen Leute erhalten eine Gehirnwäsche auf ideologischer Ebene. Und ihnen werden auch Versprechungen gemacht. Den Dschihadisten wurde gesagt, dass sie viel Geld machen, wenn sie nach Syrien gehen”, erläutert Allani.

Ibrahim Ben Abdelrahman sagt, mehr als 120 Menschen unterschiedlicher Nationalitäten seien in dem Lager gewesen, in dem sein Freund Marwan ausgebildet wurde.

“Marwan hat Leute gesehen, die Alkohol tranken. Das waren aber keine Mitreisenden, sondern Anführer und Ausbilder”, sagt Ben Abdelrahman. “Ihre Ausrede war, dass sie so tun müssten, als seien sie normale Leute. Wenn sie das Lager verlassen, müssen sie ein normales Leben führen, so als wären sie nie im Lager gewesen oder als wären sie nicht einmal Moslems.”

Der tunesische Musiker Mehdi Akkari hat erlebt, wie sich sein Bruder Youssef radikalisierte und schließlich in den Dschihad zog. Er hielt es in Syrien nicht aus und schlug sich nach Tunesien durch. Doch die Rückkehr in sein altes Leben gelang ihm nicht. Er ging wieder nach Syrien und starb.

“Die tunesische Polizei hat nach seiner Rückkehr ein neues Problem geschaffen. Sie hat ihn schikaniert, sie wollte ihn loswerden. Die Polizei hat Angst vor den Dschihadisten”, meint Akkari.

“Viele der Leute, die gegangen sind, kommen nicht in ihre Länder zurück, weil es ein Gesetz gibt, das sie kriminalisiert, also sind sie dort geblieben oder in andere Länder wie Libyen oder den Irak gegangen”, sagt Alaya Allani.

Die tunesischen Behörden wollen verhindern, dass weitere Landsleute nach Syrien gehen, sie wollen Grenzpatrouillen verstärken, potentiellen Dschihadisten wird die Ausreise verweigert. Auffallend häufig sind es im Übrigen Kinder aus Familien der Mittelschicht, die nach Syrien in den Krieg ziehen.