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"American Sniper" - Antikriegsfilm oder Verehrung eines Massenmörders?

“American Sniper” sorgt für Furore: Clint Eastwoods Film über einen Scharfschützen mit Bradley Cooper und Sienna Miller in den Hauptrollen ist für

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"American Sniper" - Antikriegsfilm oder Verehrung eines Massenmörders?

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“American Sniper” sorgt für Furore: Clint Eastwoods Film über einen Scharfschützen mit Bradley Cooper und Sienna Miller in den Hauptrollen ist für sechs Oskars nominiert. Grundlage für den US-Streifen ist die Autobiografie des US-Navy-Seals Chris Kyle namens American Sniper: “The Autobiography of the Most Lethal Sniper in U.S. Military History”. Der treffsicherste Scharfschütze in der Geschichte des US-Militärs überlebte mehrere Jahre Irakkrieg. In den USA wurde er als Held gefeiert. Kyle fand sich nicht leicht wieder ins zivile Leben ein: Er hatte Probleme mit Alkohol und seiner Frau. Als er sich wieder gefangen hatte, gründete er eine Stiftung und begann, sich für psychisch geschädigte Veteranen zu engagieren. Er hielt seine Kameraden zu sportlichen Aktivitäten an und ging immer wieder mit ihnen auf die Shooting Range. Das sollte ihm zum Verhängnis werden: 2013 wird der “American Hero” zusammen mit seinem Begleiter Chad Littlefield auf einem Schießstand in Texas erschossen – von dem 25-jährigen Veteranen Eddie Ray Routh, der an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Nächste Woche beginnt das Verfahren gegen den Todesschützen. Sollte er schuldig gesprochen werden, droht ihm in Texas die Todesstrafe.

Meinung

Das Soldatendrama hat bereits zum dritten Mal in Folge den Spitzenplatz der nordamerikanischen Kinocharts eingenommen

“Christopher Scott “Chris” Kyle”:http://de.wikipedia.org/wiki/Chris_Kyle ist laut US-Verteidigungsministerium mit über 160 bestätigten Tötungen der erfolgreichste Scharfschütze der US-Geschichte. Er erhielt während seiner Dienstzeit 14 Auszeichnungen, darunter zweimal den Silver Star und fünfmal den Bronze Star. Kyle kommt aus Texas. Bereits im Alter von sieben Jahren lernt er Schießen. 1999 trat er den Navy Seals bei und diente dort bis 2009. Er nahm an vier Kampfeinsätzen teil, darunter einem längeren im Irakkrieg. Irakische Widerstandskämpfer hatten ein Kopfgeld in Höhe von 20.000 US-Dollar auf ihn ausgesetzt. Nach seiner Militärzeit gründete er in Dallas eine Sicherheitsfirma und die Stiftung “FITCO Cares Foundation”, mit der er Heimfitness-Geräte für psychisch und physisch beeinträchtigte Veteranen vertrieb. 2012 erschien seine Autobiografie, die mit ca. 900.000 verkauften Exemplaren zum Bestseller wurde. Die deutsche Ausgabe “Sniper: 160 tödliche Treffer – Der beste Scharfschütze des US-Militärs packt aus” erschien im Oktober 2012. In seinem nicht unumstrittenen Buch beschreibt er seine Probleme, sich nach dem Krieg zurechtzufinden, aber auch seine Freude am Töten von feindlichen Kämpfern, die er als “Wilde” bezeichnete. Dem Autor wurden Menschenverachtung und Sadismus vorgeworfen, insbesondere deswegen, weil er beschrieb, wie er sich am Anblick von Feinden ergötzte, die um ihr Leben kämpften. Kyle hinterließ seine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, erklärte 2015 den 2. Februar – seinen Todestag – zum Chris-Kyle-Tag.

2014 begannen unter der Regie von Clint Eastwood die Dreharbeiten zum Film “American Sniper”, in dem Bradley Cooper die Rolle des Chris Kyle übernahm. Die Premiere des Films fand am 11. November 2014 im Rahmen des AFI Festivals in Los Angeles statt. Das Soldatendrama hat bereits zum dritten Mal in Folge den Spitzenplatz der nordamerikanischen Kinocharts
eingenommen. Seit Kinostart spielte er bisher über 250 Millionen Dollar ein. Damit löste er “Steven Spielbergs Film “Der Soldat James Ryan”“:http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Soldat_James_Ryanvon 1998 als erfolgreichsten US-Kriegsfilm ab. Ende Februar läuft “American Sniper” in den deutschen Kinos an. Auch der Film ist nicht unumstritten: Ihm wurde vorgeworfen, Waffenkult und blinden Militarismus Vorschub zu leisten, ein “pathologischer Lügner und Massenmörder” werde darin zum Helden gemacht. Der Linguistik-Professor Noam Chomsky warf die Frage auf, was die Verehrung eines Kinofilms über einen kaltblütigen Killer über das amerikanische Volk aussage. Regisseur Eastwood wehrte sich gegen die Vorwürfe, sein Film würde in chauvinistisch-patriotischer Manier Krieg gegen den Terror befürworten sowie Wahlkampf für die Republikanische Partei machen. Seiner Meinung nach zeige “American Sniper”, was der Krieg aus einem Menschen mache und sei damit die stärkste Antikriegsaussage überhaupt.