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Flüchtlingskatastrophe in Westafrika: Boko Haram sorgt für Angst und Schrecken

Menschen aus dem Norden Nigerias verlassen in Scharen ihre Heimatorte und fliehen über die Grenzen. In den Nachbarländern hoffen sie auf Schutz vor

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Flüchtlingskatastrophe in Westafrika: Boko Haram sorgt für Angst und Schrecken

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Menschen aus dem Norden Nigerias verlassen in Scharen ihre Heimatorte und fliehen über die Grenzen. In den Nachbarländern hoffen sie auf Schutz vor den Gewaltexzessen der Islamisten von Boko Haram. In Westafrika spielt sich eine Flüchtlingskatastrophe ab.

Meinung

Die Situation ist kritisch und alarmierend.

“Wir wurden von Boko Haram überfallen. Ich habe Schüsse gehört und bin aus dem Haus gegangen. Dann habe ich zwei Leichen gesehen. Ich habe mein Kind unter den Arm geklemmt und bin weggerannt”, erzählt eine Nigerianerin, die nach Niger geflohen ist. Oft werden Familien auseinandergerissen, die Ungewissheit, was sie in der Ferne erwartet, sorgt bei vielen zusätzlich für Sorge.

Immer mehr Menschen auf der Flucht vor der Gewalt

Hunderttausende haben mittlerweile ihre Heimat verlassen, um den Mordkommandos der Islamisten zu entkommen. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 100.000 Menschen nach Niger geflohen, 37.000 nach Kamerun und 16.000 in den Tschad. Hilfsorganisationen schlagen Alarm: “Die Situation ist kritisch und alarmierend, wenn man bedenkt, dass jeder Zweite nicht genug zu essen hat und jedes dritte Kind unterernährt ist”, so Antonio Avella vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen. Die aufnehmenden Länder sind überfordert, Niger etwa gehört dem Global Finance Magazine zufolge zu den ärmsten Staaten der Welt.

Ein militärisches Bündnis soll die Islamisten nun aufhalten. Benin, Kamerun, Niger, Nigeria und der Tschad haben beschlossen, Boko Haram mit einer gemeinsamen Eingreiftruppe zu bekämpfen, die 8700 Mann umfassen soll. Die humanitäre Katastrophe löst dieser Schritt aber nicht. Nigeria hatte erst jüngst seine Präsidentschafts- und Parlamentswahlen auf Ende März verschoben, bis dahin sollen die Islamisten bezwungen sein. Doch längst sorgt Boko Haram nicht mehr nur in Nigeria für Angst und Schrecken, sondern greift auch Ziele in den Nachbarländern an.

“Unsere Armee verteidigt sich immer, egal gegen welchen Feind”, zeigt sich der tschadische General Ahmat Dari Bazine entschlossen. “Wir sind bereit, uns ihnen in den Weg zu stellen. Das sind Banditen, Verbrecher, eine kriminelle Sekte. Sie respektieren die internationalen Konventionen nicht.”

Boko Haram von Eingreiftruppe unbeeindruckt

In der Tat ist Boko Haram fast jedes Mittel recht, um sein Ziel erreichen, ein Kalifat auf der Grundlage der Scharia zu errichten: Bombenanschläge, Entführungen, Angriffe auf Militärstützpunkte und Ortschaften wie zuletzt in Diffa in Niger, wo versucht wurde, ein Gefängnis zu stürmen, gehören zum Schreckensarsenal der Islamisten.

In einem Propagandavideo zeigte sich Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau von der Eingreiftruppe der fünf Länder unbeeindruckt und kündigte einen Kampf an, der über den afrikanischen Kontinent hinausgehe. Nach Erkenntnissen von US-Geheimdiensten verfügt die Extremistengruppe über rund 5000 Kämpfer, zudem werde sie von Schläferzellen unterstützt.