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Frankenkredite: Warum László S. in England eine Wohnung in Budapest abarbeitet

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Frankenkredite: Warum László S. in England eine Wohnung in Budapest abarbeitet

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László Szilágyi hat eine Wohnung und arbeitet hart, um sie zu bezahlen. Aber er wohnt dort nicht – schuld daran ist eine Zentralbank, fast 1.000 Kilometer von Lászlós Wohnung in Budapest entfernt. Jetzt macht der Soziologe harte körperliche Arbeit – in England, wo er 4,5mal so viel damit verdient wie zuhause in Ungarn.

László hat 2006 einen günstigen Kredit in Schweizer Franken aufgenommen – im Zug der Finanzkrise wurde der Franken immer teurer – seine Monatsrate verdoppelte sich fast.

Seit November 2014 zwingt die ungarische Regierung die Banken bei Umschuldungen in Forint, für die Wechselkursdifferenz aufzukommen – sie ist seit der Franken-Freigabe Mitte Januar weiter gestiegen.

Gilt leider nur für Hypotheken. Pech gehabt, Máté Gerhardt. Er muss für seinen Autokredit in Franken fast den Gegenwert von zwei Autos zurückzahlen.

Máté Gerhardt:

“Vielleicht sollte man vor Gericht gehen. Es gibt so viele ähnliche Fälle. Niemand hat uns über die möglichen Folgen aufgeklärt.”

Seit 2007 hat allein der Euro gegenüber dem Franken gut ein Drittel seines Wertes eingebüßt. Seit November vergangenen Jahres können Franken-Schuldner ihre Immobiliendarlehen in die ungarische Heimatwährung Forint umtauschen.

Die Banken wurden verpflichtet, Gebühren samt Zinsen zurückzuerstatten und die Darlehen zu einem vorgegebenen Kurs in Forint zu tauschen. Die Institute hat das bisher rund 3 Milliarden Euro gekostet.

Regierungssprecher Zoltán Kovács:

“Einige Nachbarländer haben Interesse, wie Kroatien, Rumänien und Polen. Aber jeder muss wissen, dass das ungarische Modell wurde nicht von jetzt auf gleich geschaffen. Das war ein mehr als 3 Jahre langes Verfahren. Nur so konnten wir mit diesem Problem in komplexer Weise in der richtigen Atmosphäre umgehen.”

Am meisten hat der ungarische Franken-Coup Geldhäuser aus Österreich und Italien getroffen. Die Ratingagentur Moody’s befürchtet negative Auswirkungen auf deren Bonität: Unicredit habe Franken-Kredite über 12,4 Milliarden Euro ausstehen, in der Ersten Group und in der RBI seien es 9,9 und 4,3 Milliarden.

Wirtschaftsexperte András Mihalovits:

“Das ungarische Modell funktioniert mit Hilfe einer günstigen Kombination aus vielen Faktoren. Ich glaube nicht, dass es in anderen Ländern kopiert werden könnte, da die rechtliche und die wirtschaftliche Situation dort oft ganz anders ist. Und eines muss ich muss auch noch sagen – das war ein sehr, sehr riskanter Schritt, der bisher glimpflich ausgegangen ist.”

Nach der Banken- Staatsschulden- und Wirtschaftskrise nun die Schuldnerkrise?
In Österreich lauten 18 Prozent aller privaten Kredite auf Schweizer Franken, in Ungarn sind es 26 Prozent, in Polen 14, in Rumänien 5 Prozent, schätzt die Österreichische Nationalbank.

Andrea Hajagos, su mit Reuters