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Mammutprojekt Kurienreform

Die Kurienreform ist eines der Dauerthemen der katholischen Kirche. Diese wird von Theologen seit Jahren verlangt, unter anderem um zu verschlanken

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Mammutprojekt Kurienreform

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Die Kurienreform ist eines der Dauerthemen der katholischen Kirche. Diese wird von Theologen seit Jahren verlangt, unter anderem um zu verschlanken, zu entkrusten und für eine bessere Zusammenarbeit zu sorgen. Seit April 2013 wird die Reform geplant und vorbereitet. Papst Franziskus drückt aufs Tempo. “Unser Ziel ist immer, in der Arbeit der verschiedenen Stellen und Dikasterien des Vatikans mehr Harmonie zu erreichen”, sagte er.

Meinung

"Es gibt nicht den großen Widerstand, den es hätte geben können."

Die Kardinalskommission zur Reform der Kurie, auch als K9 bezeichnet, wurde vier Wochen nach dem Tag gegründet, als aus Jorge Mario Bergoglio Papst Franziskus wurde. Die Kommission wird von neun Kardinälen gebildet. Seine Kritik an der Kurie formulierte der Pontifex in seiner vergangenen Weihnachtsbotschaft klar und deutlich.

“Ich möchte einige der Krankheiten der Kurie erwähnen. […] Sie beruhen oft auf der Pathologie der Macht, auf dem ‘Komplex der Erwählten’, auf dem Narzissmus, der leidenschaftlich auf das eigene Bild schaut und nicht das Bild Gottes sieht, das dem Angesicht der anderen, besonders der Schwächsten und der am meisten Bedürftigen, eingeprägt ist”, so Papst Franziskus.

Einen Entwurf für eine neue Kurien-Konstitution gibt es aber noch nicht, sagte ein Vatikansprecher am Mittwoch. Vor 2016 ist damit voraussichtlich nicht zu rechnen. Änderungen könnten vor allem die Päpstlichen Räten betreffen, die während des Zweiten Vatikanischen Konzils eingerichtet wurden und die laut der Deutschen Bischofskonferenz ‘vor allem Organe des Kontakts, Dialogs und Studiums’ sind. Derzeit bestehen zwölf Päpstliche Räte, die Anzahl soll reduziert werden. So könnten “Superbehörden” entstehen, in denen mehrere bisherige Räte zusammengefasst sind.

“Einrichtung von Wirtschaftssekretariat und Wirtschaftsrat eine große Neuerung”

euronews-Reporter Fabien Farge sprach über die Kurienreform mit Sébastien Maillard, dem Vatikan-Korrespondenten der französischen Zeitung La Croix.

euronews:
Wie weit ist man mit der Kurienreform und warum soll die Kurie überhaupt verändert werden?

Sébastien Maillard:
Vor dem Konklave, das Papst Franziskus vor fast zwei Jahren wählte, waren alle Kardinäle übereingekommen, dass es höchste Zeit ist, diese Reform anzupacken. Der Papst hat abgewartet, sich mit den Kardinälen zu beraten, bis alles auf den Weg gebracht war. In den vergangenen Tagen hat er sich mit den Kardinälen ausgetauscht, um ihre Meinungen zu dieser Reform zu hören, die sie angestoßen hatten und die wie ein Mandat war, das sie ihm seit seiner Wahl übertragen hatten.

euronews:
Das Mandat, von dem Sie sprechen, hat bereits begonnen. Wirtschaftliche und finanzielle Aspekte wurden schon überarbeitet und sogar ein Wirtschaftssekretariat wurde gegründet.

Sébastien Maillard:
Das war die erste Etappe. Die Gründung des Wirtschaftssekretariats, das dem australischen Kardinal George Pell übertragen wurde, ist bald ein Jahr her. Und es wurde ein Wirtschaftsrat geschaffen. Nicht-kirchliche und kirchliche Mitglieder des Rates sind gleichberechtigt. Die Einrichtung dieser Stellen war eine große Neuerung, die einen echten Schritt nach vorne bedeutet. Dadurch werden alle finanziellen Kanäle im Vatikan überwacht. Vor allem dort gab es dringenden Handlungsbedarf und den Bedarf, Löcher zu stopfen.

euronews:
Aber genau da geht es ans Eingemachte. Da gibt es sicherlich Widerstand oder sogar Ablehnung?

Sébastien Maillard:
Alle, die eine Kongregation oder einen Päpstlichen Rat leiten, wurden bereits am 24. November über die Reform informiert. Und sie konnten ihre Meinung dazu äußern. Das Ziel, das der Papst mit dieser Vollversammlung der Kardinäle erreichen will, ist, die Reformen nicht im Alleingang voranzubringen. Und noch einmal: Diese Kurienreform wird von allen als notwendig erachtet, grundsätzlich stellt sie keiner in Frage. Es gibt nicht den großen Widerstand, den es hätte geben können und den es in Bezug auf die Synode zur Familie gibt. Aber das ist ein anderes Thema.

euronews:
Papst Franziskus spricht oft über die Kraft in der Peripherie der Kirche. Was sagt das über die Benennung der neuen Kardinäle?

Sébastien Maillard:
Die Kraft in der Peripherie der Kirche bedeutet, dass die Kirche nicht nur vom Zentrum aus regiert wird. Die Kurie soll der gesamten Kirche dienen. Und davon abgesehen kommen die Mitglieder des Kardinalsrates K9 gewissermaßen aus der Peripherie der Kirche, sie stammen aus fünf Kontinenten. Mit seinem Führungsstil will der Papst die gesamte Kirche erreichen. Es stimmt, dass 57 europäische Kardinäle unter den Wahlmännern sind, aber es gibt auch viele aus Asien, Lateinamerika, Nordamerika und Afrika. Das spiegelt schlicht und ergreifend die Realität in der heutigen katholischen Welt.

euronews:
Papst Franziskus bewegt die katholische Welt, er liest ihr die Leviten. Warum wählt er diesen eher direkten Tonfall?

Sébastien Maillard:
Das ist seine Art, sein Naturell. Es ist seine Art, auch mal ein bisschen Staub aufzuwirbeln. Deshalb war seine Wahl auch schon so etwas wie eine Reform der Kirche. Eine Reform ist nicht nur die Neuordnung der Strukturen und der Ämter. Es geht auch darum, neue Töne anzuschlagen – das hat man vor allem im Oktober bei der Synode zum Thema Familie gesehen, als er sagte: Sprechen Sie ganz offen. Einige waren der Meinung, das sei die erste echte Synode gewesen, auf der man offen sprechen konnte. Der Papst hat dieser Veranstaltung also neues Leben eingehaucht. Auch das ist seine Art: Missionar zu sein.