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Ukraine - auferstehen aus Ruinen?


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Ukraine - auferstehen aus Ruinen?

“Wenn das Programm gelingt und die (russische) Aggression endet, kann die Wirtschaft ab 2016 wieder wachsen”, sagte der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk. Diesen kühnen Optimismus teilt die Ratingagentur Fitch nicht. Trotz Milliardenhilfen hat sie die Kreditwürdigkeit des krisengeschüttelten Landes auf die Note „CC“ abgewertet – knapp über der
Zahlungsunfähigkeit.

Kann die Ukraine auferstehen aus Ruinen?

Boris Kushniruk, Ökonom:

“Die Zentralbank beziffert das Leistungsbilanzdefizit im vergangenen Jahr mit 5 Milliarden Dollar. Und das Problem bleibt in diesem Jahr sehr ernst. Die Frage ist – in welchem Ausmaß die Regierung Unternehmen dabei helfen wird, sich den EU-Anforderungen anzupassen. Um dort so bald wie möglich aktiv zu werden.”

Bisher ist die Wirtschaft der Ukraine auf Austausch mit Russland gepolt. Dazu kommt, dass die im Osten konzentrierte Metallindustrie durch den bewaffneten Konflikt dezimiert ist. Die Metall- und Erzpreise fallen weltweit. Und das Wirtschaftssystem ist nach wie vor von Oligarchen geprägt.

Zuletzt hat die Regierung den Wechselkurs der Hrywnja freigegeben, weil ein paralleler Schwarzmarkt existiert hatte. Schon zuvor hatte die Währung mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren, sodass die Staatsschulden von zuvor 40 auf (laut Fitch) über 72 Prozent des BIP hochschnellten. Die Devisenreserven sind auf ein Minimum geschrumpft. Fitch schätzt das Haushaltsdefizit 2014 auf 13 Prozent.

Die ukrainische Wirtschaftsleistung war 2014 um 7,5 Prozent geschrumpft und dürfte 2015 laut Prognosen um fünf Prozent zurückgehen.

Die Meinung der Finanzmärkte:

Die Währung des vom Staatsbankrott bedrohten Landes fiel auf einen neuen Tiefstwert. Für einen US-Dollar mussten zum erstenmal mehr als 26 Hrywnja gezahlt werden.

Gleichzeitig erholte sich der russische Rubel auf gut 62 Rubel je Dollar – nachdem er im Januar schon mal Richtung 70 Rubel je Dollar unterwegs gewesen war – als Stützen gelten höhere Ölpreise und der – brüchige – Waffenstillstand in der Ukraine.

Der Internationale Währungsfonds
(IWF) hatte dem Land neue Hilfskredite im Wert von 40 Milliarden
US-Dollar (etwa 35 Milliarden Euro) in Aussicht gestellt. Im Gegenzug muss
die Regierung in Kiew Reformen einleiten. So verlangt der IWF unter anderem eine
Inflation von weniger als 10 Prozent.

Erst am Samstag hatte die ukrainische Regierung ihre Inflationsschätzung auf 26 Prozent für dieses Jahr korrigiert.

Was der IWF noch verlangt: Kiew muss die Subventionierung der Erdgaspreise für Haushalte aufgeben. Die Staatskonzerne müssen umgebaut, die Banken restrukturiert werden. Dazu noch ein entschlossenerer Kampf gegen die Korruption und für mehr Rechtssicherheit.

Regierungschef Arseni Jazenjuk versprach Sparmaßnahmen, darunter Entlassungen von Beamten, Bekämpfung der Korruption und Modernisierung des Energiesektors. Finanzministerin Natalia Jaresko: “Mit unseren Partnern werden wir nicht nur überleben, sondern ich bin überzeugt, dass wir das System stabilisieren. Aber die Arbeit ist sehr schwer.”

su mit dpa

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