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Griechen-Schulden-Endspurt: Verstörende Töne aus der Wiege der Demokratie

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Griechen-Schulden-Endspurt: Verstörende Töne aus der Wiege der Demokratie

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In Athen ist die Spannung mit Händen zu greifen. Am Vorabend war in Brüssel ein weiterer Versuch gescheitert, im Schuldenstreit eine Einigung zu finden.

“Noch 96 Stunden – dann Einigung oder Unfall” titelt die Zeitung ‘Eleftheros Typos’.

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hatte Athen unter Druck gesetzt: Entweder beantrage Griechenland bis Ende der Woche eine Verlängerung des Sparprogramms und der damit verbundenen Sparauflagen oder es gehe nichts mehr.

Die Regierung des linken Ministerpräsidenten Alexis Tsipras lehnt die Auflagen des laufenden Rettungsprogramms als unsozial ab.

Nick Kafkas, Leiter Forschung und Analyse, Merit Securities, Athen:

“Für mich ist das kein Ultimatum. Ultimatum heißt doch was anderes: “noch vier Tage, sonst…”. Aber da ist kein “sonst” und da kommt auch keines in den nächsten beiden Tagen. Für mich gibt es noch mindestens fünf oder 10 Tage Luft, um eine Einigung zu erzielen.”

Wer hat die bessere Kondition – oder die besseren Nerven?

Am Mittwoch (18/02) prüft die Europüische Zentralbank die Liquiditätslage der griechischen Banken.

Am Freitag (20/02) will die Eurogruppe eine Einigung sehen

Am Samstag (28/02) danach endet das aktuelle griechische Hilfsprogramm.

Robert Halver, Leiter Marktanalyse, Baader Bank, Frankfurt:

“Der Markt sieht das Ganze als ein großes Pokerspiel, von beiden Seiten, und erwartet Verhandlungen bis zum letzten Tag. Ich meine, dass die Griechen in der Eurozone bleiben. Aber wenn das so weitergehen sollte bis Mitte März, wird es Pläne geben müssen für einen Grexit (Greek Exit). Die Eurozone würde das schaffen – aber wünschenswert ist es nicht.”

“Wir werden auch mit der Pistole am Kopf keine Verlängerung des Sparprogramms beantragen”, ist der griechische Regierungssprecher Gavriil Sakellarides am Dienstag im griechischen Fernsehen zu vernehmen.

Ein Showdown. Aber auch ein Demokratietest.

Zähneknirschend nimmt der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) das nie Dagewesene hin.

Als “berühmter Ökonom” werde sein griechischer Kollege, der Wirtschaftsprofessor Yanis Varoufakis, schon wissen, was er tue, knurrte er nach dem Treffen der EU-Finanzminister am Dienstag. Allerdings sei er “nicht so wirkungsvoll darin, andere zu überzeugen. Da hat er noch Luft nach oben.”

“Viele der Kollegen sagen: Was wollen die (Griechen) eigentlich? Haben die einen Plan?”, berichtete Schäuble aus dem Kreis der Minister. Und setzt hinzu: “Ich weiß es nicht.”

Der forsche Stil der neuen griechischen Regierung hatte beim Eurogruppen-Treffen für reichlich Irritationen gesorgt. Als Varoufakis erst eine halbe Stunde nach Verhandlungsbeginn den Raum betrat, sprach gerade der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi.
Varoufakis platzte nach Angaben aus Verhandlungskreisen mit einem Kameramann im Schlepptau ins Zimmer – der dann zügig
hinauskomplimentiert wurde.

su mit dpa