Eilmeldung

Eilmeldung

Was geht in den Gehirnen von Kindern vor?

Sie lesen gerade:

Was geht in den Gehirnen von Kindern vor?

Schriftgrösse Aa Aa

Spielen im Namen der Forschung: Im Wissenschaftsmuseum in London haben Hunderte Kinder an einem Projekt zum Gehirn teilgenommen. Spezialisten, die

Spielen im Namen der Forschung: Im Wissenschaftsmuseum in London haben Hunderte Kinder an einem Projekt zum Gehirn teilgenommen. Spezialisten, die sich um Frühgeborene kümmern, entwickeln ein Computerspiel, das die Auswirkungen einer Frühgeburt auf die Gehirnfunktionen misst.

Neuropsychologin Anita Montagna zufolge erfordert das Spiel spezielle kognitive Fähigkeiten: “Da wäre erstens die ausführende Aufmerksamkeit, also, die Fähigkeit eine Information zu behalten und keine automatische Antwort zu geben. Das ist die Idee. Dann wäre da das Erinnerungsvermögen. Information zu behalten und dann online diese Information anzuwenden. Das ist wirklich wichtig. Denn es sagt etwas aus über akademische Leistungen und andere Fähigkeiten. Und drittens haben wir die selektive Aufmerksamkeit, also die Fähigkeit sich auf etwas zu konzentrieren und Ablenkungen nicht zu beachten. Das kann man in dem Spiel beobachten. Die Kinder bleiben lange aufmerksam.”

Die Forscher gehen noch einen Schritt weiter. Sie wollen 60 achtjährige Kinder in einem MRT-Scanner untersuchen. 30 von ihnen wurden zu früh geboren, 30 wurden voll ausgetragen. Die Wissenschaftler wollen sehen, wie sich das Gehirn entwickelt und ob es Unterschiede gibt.

Der Neonatologe David Edwards leitet die Studie: “In der Zeit, in der frühgeborene Babys auf die Welt kommen, vollziehen sich unglaublich viele Veränderungen. Das Gehirn wird größer und komplizierter. Das Gehirn der jüngsten Kinder in der Frühchen-Station ist sehr glatt. Es sieht wie eine Kaffeebohne aus und in der Zeit, in der sie bei uns sind, wächst es und nimmt die Form einer Walnuss an. Es ähnelt dann den Bildern von Erwachsenen Gehirnen. Es ist also eine große Veränderung und sie müssen sie außerhalb des Bauchs ihrer Mutter bewältigen, während sie doch eigentlich noch drinnen sein sollten.”

Frühgeborene leiden öfter an neurologischen Entwicklungsstörungen. In der Studie wird eine Karte der Nervenbahnen erstellt. Zudem wird mit einem MRT Scanner die Gehirnaktivität der zu früh geborenen Kinder beobachtet, während sie ein Computerspiel spielen. Edwards erklärt: “Mit dem Scanner können wir sehen, welche Bereiche ihres Gehirns aktiv sind. Wir können so erfahren, welche Resourcen ihres Gehirns sie nutzen, um das Spiel zu spielen. Dann können wir sie vergleichen mit den Kindern, die nicht zu früh geboren wurden, um so die Unterschiede festzustellen.” Die Ergebnisse dieser Studie könnten vielleicht eines Tages Frühgeborenen helfen.

Auch in Frankreich untersuchen Wissenschaftler die Gehirnaktivität bei Kindern. Eine Studie etwa wollte herausfinden, was in den Gehirnen von Schülern, die Lesen lernen, passiert. Zwei Jahre lang wurden zehn Kinder alle zwei Monate beobachtet während sie in einem MRT-Scanner lasen.

Die Forscher fanden heraus, dass das Gehirn das Wort in Buchstaben zerlegt, diese dann in Töne verwandelt und erscheint der Sinn des Wortes. Damit konnten sie beweisen, dass beim Lesen lernen die Silbenmethode besser als die globale Methode ist. Neurowissenschaftler Stanislas Dehaene erklärt: “Menschen, die mit der Silbenmethode lernen, trainieren die linke Hälfte ihres Gehirns, die am effektivsten ist beim Lesen. Menschen, die das Wort global, also im Ganzen erfassen trainieren nicht diesen Teil des Gehirns. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich auf die rechte Hälfte, deren Bahnen sind nicht so effektiv für das Lesen.”

Durch diese Studie fühlen sich die Forscher und Lehrer bestätigt, die seit Jahren fordern, dass die globale Methode aus dem Lehrplan gestrichen wird.
Manche Experten empfehlen jedoch eine gemischte Methode je nach Profil des Schülers.