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Armes Deutschland

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892 Euro – in Griechenland oder der Ukraine ein normales EInkommen – in Deutschland riecht es nach sozialem Ausschluss. “Die Armut in der Bundesrepublik Deutschland befindet sich auf einem historischen Höchststand”, so der Befund des "Paritätischen Wohlfahrtsverbandes" in seinem aktuellen Armutsbericht. Armut – das heißt in Europa bis zu 60 Prozent des mittleren Einkommens. Und davon leben in Deutschland 12,5 Millionen Menschen, 15,5 Prozent.

Armut ballt sich – in Familien von Alleinerziehenden und bei Älteren. Und im Nordosten des Landes – in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gibt es etwa doppelt so viele Arme wie in Bayern.

Und die Armut hat zugenommen, seit Mitte der Nuller Jahre fast im gleichen Tempo wie das Bruttoinlandsprodukt (+17/+10,7%). Für den paritätischen Geamtverband ein Armutszeugnis.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes:

“Die Armut in Deutschland ist weniger ein wirtschaftliches Problem als vielmehr ein Resultat politischer Unterlassungen. Das muss ganz deutlich gesagt werden. Wir hätten die Möglichkeit, diese Armut zu bekämpfen als fünftreichstes Land auf dieser Welt. Aber offensichtlich haben wir extreme Verteilungsprobleme bei zunehmendem Wohlstand.”

Heute seien fast die Hälfte mehr Rentner arm als 2006. Und arbeiten gehen hilft den Betroffenen oft auch nicht weiter. Schneider forderte eine “solidarische Steuerpolitik, die große Einkommen und Vermögen wesentlich stärker belastet.”

Zwar sieht das "Statistische Bundesamt" in Europa im Schnitt 20 Prozent mehr Armutsgefährdete als in Deutschland, auch mehr in Ländern wie Großbritannien oder Polen. Aber

„Der Wirtschaftsaufschwung allein wird nicht ausreichen,” so "OECD" -Generalsekretär Angel Gurría über die Folgen der Finanzkrise, “um die soziale Spaltung zu überwinden und jenen wieder auf die Füße zu helfen, die es am härtesten getroffen hat.“

Sigrid Ulrich mit dpa