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Griechenland: Die Folgen der Sparpolitik

Seit zwei Jahren leben sie ohne Strom. Giorgos und Evgenia Kouzilos und ihre drei Kinder sitzen im Dunkeln. Sie sind nicht die einzigen. In

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Griechenland: Die Folgen der Sparpolitik

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Seit zwei Jahren leben sie ohne Strom. Giorgos und Evgenia Kouzilos und ihre drei Kinder sitzen im Dunkeln. Sie sind nicht die einzigen. In Griechenland können tausende Familien ihre Stromrechnungen nicht bezahlen. Nach Angaben der Regierung leben 300.000 Haushalte unter diesen Bedingungen unter der Armutsgrenze. “Für meine Frau und mich – und besonders für die Kinder – ist das sehr hart. Wir versuchen, unsere täglichen Aktivitäten, etwa den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, bei Tageslicht zu erledigen”, erklärt Giorgos die Situation.

An diesem Morgen holt Michalis Tsaousoglou sich das Nötigste bei einer Lebensmitteltafel in einem Vorort von Athen. Der LKW-Fahrer ist seit fünf Jahren arbeitslos, zuvor hatte er 35 Jahre lang regelmäßig seine Einkommensteuern bezahlt. Seit sechs Monaten kann er die Miete nicht mehr bezahlen. Keinen einzigen Euro hat er seit einem Jahr verdient. Er fühlt sich überflüssig: “Sagen wir, wie es ist: Ich fühle mich nutzlos, als wäre ich schmutzig. Es ist, als würde ich nicht existieren.”

Wie die Tsaousoglous hatten während des Schuljahres 2013/2014 21 Prozent der Familien in Griechenland Hunger. Das sind rund zwei Millionen von 10,5 Millionen Griechen. Nach Angaben des Instituts Prolepsis konnten sich 54 Prozent der Griechen nicht angemessen ernähren. Nach sechs Jahren Rezession gibt es noch ein anderes erschreckendes Phänomen: Zwei Millionen Griechen haben keinen Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem mehr. Ein großer Teil von Ihnen stammt aus der Mittelschicht, Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, ihr Geschäft, oder Jugendliche, die keine Arbeit finden.

Die Arbeitslosenquote lag im vergangenen November bei 25,8 Prozent, mehr als die Hälfte der unter 25-Jährigen war arbeitslos. Trotz eines leichten Wachstums von 1,7 Prozent im vierten Quartal 2014 gehen in der griechischen Wirtschaft weiterhin Arbeitsplätze verloren, etwa in einem Zementwerk in Chalkida Evia in diesem Januar. Einer der Angestellten mnacht sich keine Illusionen mehr: “Das Unternehen teilte uns mit, es werde extreme Einsparungen geben. Es geht nicht um 50 oder 80 Leute, jeder wird gehen müssen. Wir erwarten es für diesen, den nächsten oder den Monat danach. Früher oder später wird Schluss sein”, ist er sicher.

Um die traurige Bilanz abzuschließen, bleibt nur noch zu erwähnen, dass sie Zahl der Selbstmorde seit der Einführung der Sparpolitik in Griechenland 2011 um fast 36 Prozentpunkte zugelegt hat.