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Gerührt und geschüttelt: Griechen-Cocktail für die Ukraine

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Gerührt und geschüttelt: Griechen-Cocktail für die Ukraine

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Die Ukraine ist gut viermal so groß wie Griechenland und hat gut viermal so viele Einwohner. Scheint so, als seien auch die Probleme ein Vielfaches größer:

So fiel das Bruttoinlandsprodukt 2014 laut IWF um 6,5 Prozent, von der Währung Hryvnia muss man für einen Dollar etwa viermal so viel hinlegen wie vor einem Jahr. 9,5 Prozent Arbeitslose und wahrscheinlich 27 Prozent Inflation in diesem Jahr kommen dazu. Ohne IWF-Kredit müsse das Land Pleite anmelden, so die Regierung.

Es geht um bis zu 40 Milliarden Dollar über die nächsten vier Jahre, im Gegenzug Reformen.

Aivaras Abromavicius, Wirtschaftsminister:

“Unser öffentlicher Sektor ist ein großes Problem. Beim aktuellen Wechselkurs, verdienen die Leute weniger als 200 US-Dollar im Monat, das schafft, ganz offensichtlich, Raum für Korruption. Wir wollen eine Verwaltungsreform durchziehen, die Mitarbeiterzahl erheblich reduzieren und beim Rest die Löhne anheben. In meinen Ministerium wollen wir dieses Jahr 50% der Mitarbeiter einsparen”.

Vor diesem Hintergrund sollen nach IWF-Reformvorschlägen die Energiepreise an den Weltmarkt angepasst werden. Otto Normalverbraucher muss ab März 40 Prozent mehr für seinen Strom bezahlen.

Eine Dauerdiskussion seit Jahren.

Aivaras Abromavicius:

“Eine der wichtigsten Reformen wird die des Energiesektors sein. Der staatliche ukrainische Energiekonzern Naftogaz (ca. 170.000 Mitarbeiter) soll entflochten werden, in mindestens 3 Unternehmen – vielleicht interessiert das auch ausländische Investoren. Und natürlich müssen die Gaspreise steigen. Sie sind sehr niedrig.”

Sergio Cantone, euronews:

“Wirklich auf das Dreifache, wie es heißt?”

Aivaras Abromavicius:

“Die Regierung meint, dass Reiche nicht von den niedrigen Preisen profitieren sollten. Die Regierung will Gaspreise so nah wie möglich am Marktniveau. Und die Armen sollen subventioniert werden. Mit dem aktuellen wirtschaftlichen Niedergang wird die Zahl der Armen steigen und damit die Gruppe der Menschen gewaltig größer, die Stütze brauchen. Das wird eine ganz große Herausforderung für das Sozialministerium.”

Die Regierung wolle die Teuerung mit Subventionen abfedern, kündigte Energieminister Wladimir Demtschischin an. «Unseren Schätzungen nach werden zwei Drittel der Bevölkerung Zuschüsse erhalten». Dafür seien im Staatshaushalt umgerechnet 400 Millionen Euro vorgesehen.

Bis zu 140 Milliarden Euro sollen die gekappten Handelsverbindungen mit Russland das Land kosten – nach nicht überprüfbaren Schätzungen. Die Industrieregion im Osten ist schwer beschädigt, die Fachkräfte sind verstreut.

Man teile “die Werte des Westens” , so Finanzministerin Natalie Jaresko, früher US-Investment-Bankerin (auf dem Weltwirschaftsforum in Davos), und erwarte die Überweisung des IWF-Kredits im März.

su mit dpa