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Lösung gegen Verkehrslärm in Sicht


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Lösung gegen Verkehrslärm in Sicht

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Auf den Straßen gibt zu viel Verkehrslärm. Das hat nicht so viel mit dem Motor zu tun, sondern eher mit dem Geräusch der Reifen. Wie kann man das ändern?
Ein Lösungsansatz wird in Dänemark getestet. Ein Straßenabschnitt wurde mit einem neuartigen Material beschichtet, welches das Reifengeräusch dämpft.

Luc Goubert vom belgischen Wissenschaftszentrum Persuade: “Wenn man Verkehrslärm verringern will, muss man das Reifengeräusch abdämpfen, indem man die Straßenoberfläche verbessert. Drei Faktoren sind dabei entscheidend: die Struktur, die Dämpfung und die Elastizität, die bisher nicht weiter genutzt wurde.”

Akustische Messungen zeigen, dass diese elastische Schicht den störenden Verkehrslärm zum großen Teil beseitigt. Die Oberfläche wurde in einem europäischen Wissenschaftsprojekt entwickelt.

Wissenschaftler Hans Bendtsen erklärt: “Wenn Sie zuhören, dann können sie eine Reduzierung von rund acht Dezibel feststellen. Das ist recht außergewöhnlich.Wenn sie die gleiche Lärmminderung bei einer Lärmschutzmauer erreichen wollen, müsste diese rund drei Meter hoch sein.”

Das Regenwasser sickert durch das Material und stellt so eine ausreichende Reifenhaftung sicher. Dies ist das Ergebnis intensiver Laborversuche. Chemotechnikerin Annette Neidel erklärt: “Das poroelastische Straßenmaterial besteht aus zerkleinertem Gummi von bereits benutzten Autoreifen und zerstoßenem Granit. Dies wird dann mit Polyurethan zusammengeklebt.”

Die Idee, Straßen mit wiederverwerteten Reifen zu bedecken, ist nicht neu, aber bei vorangegangenen Versuchen gab es bei der Herstellung solcher Materialien unter anderem Probleme bei der Strapazierfähigkeit. Wissenschaftler Hans Bendtsen: “Wir wollen ein Material entwickeln, das eine gute Lärmminderung garantiert, strapazierfähig ist, einen guten Preis anbietet und natürlich auch eine gute Reibleistung garantiert.”

Eine gute Reibung ist für die Verkehrssicherheit entscheidend. Diese wird auf verschiedenen Teststrecken untersucht – wie hier in Schweden. Es stellte sich heraus, dass das Material im Winter sogar eine bessere Haftung als normaler Asphalt bietet.

Ingenieur Carl Södergren unterstreicht: “Ich messe die Reibung mit diesem Spezial-Auto, welches ein fünftes Rad hat. Indem ich auf diesen Knopf drücke, senke ich das Rad und kann dann die Reibung auf dieser Straße bestimmen.”

Wissenschaftler Ulf Sandberg fügt hinzu: “Diese Oberfläche kostet auf jeden Fall mehr als ein normaler Straßenbelag. Wir sind aber der Meinung, dass diese als Alternative zu Lärmschutzwänden eingesetzt werden sollte. Die Lärmschutzwände sind furchtbar teuer. Der Belag könnte also eine machbare Alternative sein.”

Aber wird der Belag lange genug halten? Die Wissenschaftler testen mithilfe dieses Karussells die Oberfläche. Sie simulieren dabei mehrere Jahre Verkehrslast auf der Straße. Damit wird gezeigt, wie schnell sich der Zustand des Materials verschlechtert und wie groß die Umweltverschmutzung ist. Wissenschaftler Bjorn Kalman dazu: “Wir wissen, dass diese poroelastische Oberfläche so lange wie normaler Asphalt hält. Wir haben auch gemessen, wie viel Staub entsteht, und da erzielt diese Oberfläche bessere Ergebnisse als normaler Asphalt.”

Leise, verlässlich und umweltfreundlich: die Wissenschaftler glauben, dass dieses Material die Lärmschutzmauern in ganz Europa bald ersetzen könnte.

http://www.persuadeproject.eu

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