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Fed zögert die Zinswende hinaus

Zinsanhebung in weiter Ferne? In dieser Ausgabe nehmen wir die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve, Fed, und ihre Konsequenzen auf den Nahen

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Fed zögert die Zinswende hinaus

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Zinsanhebung in weiter Ferne?

In dieser Ausgabe nehmen wir die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve, Fed, und ihre Konsequenzen auf den Nahen Osten unter die Lupe. Wie geht es weiter mit den Zinsen? Seit den widersprüchlichen Aussagen von Mitgliedern des Offenmarktausschusses der Fed herrscht Ungewissheit.

Im vergangenen Dezember hieß es, die Zinsen würden im kommenden Juni angehoben werden. Aber seit Januar ist das Motto wieder Geduld. In der vergangenen Woche erwog die Fed die Möglichkeit die Zinsen noch ein wenig länger auf ihrem aktuellen Niveau zu lassen.

Die Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed waren am vergangenen Mittwoch eher zurückhaltend gegenüber einer Zinsanhebung. Sie wiesen darauf hin, dass es besser sei, die derzeitigen Zinsen etwas länger zu behalten.

Kurz nachdem sie angekündigt hatten die Zinsen im Juni anzuheben, schlägt die Fed vorsichtigere Töne an. Die Wirtschaftswissenschaftler rechnen nun frühestens Ende des Jahres mit einer Änderung. Zum ersten Mal seit zehn Jahren hat die Fed die Verlangsamung der Wirtschaft weltweit und den Fall des Ölpreises berücksichtigt. Diese Faktoren haben in der Tat einen Einfluss auf das Wachstum der US-Wirtschaft.

Was der Fed Sorgen bereitet, ist die niedrige Inflation. Mit einem Wert von 0,8 Prozent im Januar liegt sie weit hinter dem Zielwert von 2 Prozent zurück. Der Einbruch der Ölkurse betrifft nun auch andere Bereiche. Doch die Verschiebung einer Zinsanhebung wurde vergangene Woche an der Wallstreet begrüßt.

Im Nahen Osten sah die Situation allerdings anders aus und die Reaktion zu den vorsichtigeren Tönen der Fed führte dazu, dass die Märkte mit Verlusten schlossen: Saudi Arabien erlitt einen Verlust von 1.14 Prozent, gefolgt von Ägypten mit -0.59 Prozent. Abu Dhabi und Katar fielen auch, allerdings weniger stark, mit -0.12 Prozent und -0.52 Prozent.

Die Märkte in Nordafrika und Nahost werden von den Entscheidungen der Zentralbanken beeinflusst. Geopolitische Spannungen und vor allem der Fall des Ölpreises sind für die Schwankungen verantwortlich.

ADS-Analyse: “Die Fed bleibt glaubwürdig, denn sie ist immer sehr vorsichtig”

Wie jede Woche sprechen wir mit Nour eldeen Al-Hammoury, Chefmarktstratege bei ADS Securities in Abu Dhabi, um mehr zu erfahren über die Auswirkungen der Entscheidung der Fed.

Daleen Hassan, euronews:
“Hallo Nour, die Fed hat sich sehr schnell zurückgezogen. Anscheinend herrscht Unsicherheit? Woran liegt das?”

Nour eldeen Al-Hammoury:
“Davor haben wir hier bei euronews im vergangenen Dezember gewarnt. Wir stellten schon damals fest, dass es in der Weltwirtschaft und in der US-Wirtschaft nicht rund läuft.
Aus diesem Grund hat mich der Rückzug der Fed nicht überrascht. Doch in der derzeitigen Situation gibt es keinen Inflationsdruck in den USA. Wir beobachten einen Infaltionsabbau, der zu einer Deflation, einem Preisabbau, führen könnte, vor allem angesichts des niedrigen Ölpreises. Bislang deutet nichts auf eine Erholung hin.
Wir sollten zudem nicht vergessen, dass rund 88 Prozent der US-Wirtschaftsdaten im Februar enttäuschend waren, nur 12 Prozent waren positiv. Es gibt also keinen Grund für eine Anhebung der Zinsen.”

euronews:
“Warum hatte die Fed trotz der schlechten Zahlen ursprünglich vor, die Zinsen im Juni anzuheben? Könnte das nicht ihrer Glaubwürdigkeit schaden?”

Nour eldeen Al-Hammoury:
“Die Fed hatte eine kommende Zinsanhebung angedeutet. Sie stützte sich bei ihren Andeutungen auf Vorhersagen. Doch wir hier bei ADS Securities warnten, dass die US-Wirtschaft schwächeln würde, sobald die Fed mit der quantitativen Lockerung aufhört. Das ist es, was wir jetzt beobachten. Es gab ein ähnliches Szenario nach dem ersten und zweiten Programm zur quantitativen Lockerung, nach der Finanzkrise.
Doch die Fed bleibt glaubwürdig, denn sie ist immer sehr vorsichtig und wählt ihre Worte sorgfältig. In jeder Mitteilung betonte die Fed, dass sie falls die Wirtschaftsdaten sich weiter verbessern, die Zinsen früher anheben könnten.
Wenn also negative Wirtschaftsdaten veröffentlicht werden, was momentan der Fall ist, dann kann die Fed ihre Geldpolitik ganz einfach ändern, ohne ihre Glaubwürdigkeit einzubüßen.”

euronews:
“Werfen wir einen Blick auf die Märkte in Nordafrika und Nahost. Warum war die Reaktion auf das Fed-Treffen negativ? Gibt es dafür noch andere Gründe?”

Nour eldeen Al-Hammoury:
“Zum ersten Mal seit zehn Jahren hat die Fed nicht nur die Entwicklungen in den USA sondern auch in Asien und Europa, sowie den Fall des Ölpreises berücksichtigt.
Dieser hat sich natürlich auf den Nahen Osten ausgewirkt. Doch nach der Erklärung der Fed waren die Märkte hier sprunghaft und schlossen in rot. Dies hatte mehrere Gründe: Erstens war die Gewinnsaison nicht perfekt. Die zuletzt veröffentlichten Zahlen in der Golfregion waren enttäuschend. Viele Unternehmen haben ihr Ziel verfehlt und der Gewinn je Aktie fiel geringer aus.
Hinzukommen die jüngsten Entwicklungen zwischen Ägypten und der IS-Miliz in Libyen. Die Furcht vor einem weiteren Krieg in der Region wächst und das führt dazu dass die Anleger ihre Aktien verkaufen.”