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ESA-Inkubationszentren: Von Philae bis zur Bettwanze und von autonomen Drohnen

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ESA-Inkubationszentren: Von Philae bis zur Bettwanze und von autonomen Drohnen

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In dieser Ausgabe von Space geht es unter anderem um die Verbindung zwischen Bettwanzen und dem Minilabor Philae sowie zwischen geothermaler Energie

In dieser Ausgabe von Space geht es unter anderem um die Verbindung zwischen Bettwanzen und dem Minilabor Philae sowie zwischen geothermaler Energie und der Mondmission Smart-1. Wir haben uns mit Unternehmern getroffen, die Weltraumtechnik auf die Erde holen. Aber erst einmal die Nachrichten. Wir sind in Spanien und Großbritannien gewesen, um dort echte Raumfahrtunternehmer auf der Erde zu treffen.

Unser erstes Rendez-Vous hatten wir auf einem Feld in der Nähe von Barcelona. Es geht um ein Startup, dessen Produkte im Sinne des Wortes abheben. David Riera Mallol ist Produktentwickler bei HEMAV. Er stellt uns eine selbstgenbaute Drohne vor, die autonom navigieren kann. Die autonomen Drohnen benutzen eine verbesserte GPS-Technik. Die Satellitennavigation lässt sie auf zwei Zentimeter genau sein. Ein Geschäftsbereich ist die Beobachtung riesiger Getreidefelder.

Wenn sie nicht fliegen, sind die Ingenieure im Inkubationszentrum der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA in Barcelona zu finden, eines von elf in Europa. Hier werden Startups beraten, es gibt Büroräume und 50.000 Euro für Investitionen im Bereich der Technologie. Aber zunächst muss man nachweisen, dass man ein funktionierendes Unternehmen mit Raumfahrttechnik betreibt. Ein weiteres Beispiel für innovative Entwicklungen im Inkubationszentrum: ein Unternehmen, das Satellitendienstleistungen auf neue Art benutzt. Gemanagt wird es von Barcelona Activa. Hier werden Breitband und VolP-Systeme entwickelt, auch für die Schifffahrt. José Luis García ist der Chef: “Unsere Innovation, die wir hier in Barcelona entwickelt haben, ist, dass jedes Schiff Internet und Telefonverbindungen nutzen kann als wäre es an Land”, beschreibt er das Projekt.

Ortswechsel. In Harwell bei Oxford treffen wir Startups, die von Philae, Astronauten und einer Mondmission inspiriert wurden. Das ESA-Inkubationszentrum hat Taff Morgan unterstützt, als er sein bei der Arbeit an Philae erworbenes Wissen genutzt hat, um ein System zu entwickeln, das die chemische Spur von Bettwanzen jagt. “Im vergangenen Jahr sind wir auf einem Kometen gelandet. Wir hatten ein kleines Instrument gebaut: ‘Ptolemy’, ein schuhkartongroßes Chemielabor. Das setzen wir jetzt weltweit in der Hotellerie um. Wir jagen diese kleinen Kerle, diese Bettwanzen, in Hotels. Wir nehmen einfach eine Probe, dann saugen wir die Luft aus dem Rohr. Genauso haben wir es mit Philae gemacht. Wir haben an der Atmosphäre geschnüffelt, und dann haben wir sie eingefangen und durch das Massenspektrometer gejagt. So hatten wir unsere Analyse”, sagt er.

Eine andere Erfindung aus Harwell stammt aus der Raumfahrt von vor 50 Jahren. Es geht um einen Herz- und Gesundheitsmonitor. Jack Barton forscht für das Unternehmen Rescon: “Das ist eine Möglichkeit, die elektrische Aktivität des Ηerzens zu messen. Wir kombinieren das mit einem akustischen Monitor, einer Temperaturmessung und einem Beschleunigungsmesser, und man geht einfach im Raum herum. Das ist eine Entwicklung der NASA aus den 1960er-Jahren. Damit wollten sie die Herzaktivitäten von Astronauten im Weltall messen.” Weltraummissionen verschieben die Grenzen des Möglichen in der Technik. Das Know-How kann man andernorts weiter verwenden.

Das Startup Oxford Nano Systems besteht aus zwei Diplom-Ingenieuren. Sie haben eine bahnbrechende Entdeckung mit Nanomaterialbeschichtungen gemacht: “Unsere Innovation besteht teils aus der Arbeit, die bei der ‘Smart-1’-Mission der ESA vor zehn Jahren geleistet wurde. Wir konnten sie für eine Beschichtung mit einer Nanostruktur nutzen, die fantastische Möglichkeiten für den Transfer von Energie bietet. Mit dieser Oberfläche sind wir 300 bis 400 Mal schneller”, sagt David Gahan, einer von den beiden, “das besondere an unserer Entdeckung ist, dass wir die Beschichtung auf sehr komplexen Strukturen aufbringen können, in Röhren, Ritzen, innerhalb von Luftkühlern. Das ist ein echter Durchbruch, denn es erlaubt, Kühler viel kleiner, leichter und damit effizienter herzustellen.” Bislang haben rund 200 Unternehmen die Inkubationszentren der ESA in Europa genutzt.