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EZB startet Gelddruckmaschine für Anleihekäufe

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EZB startet Gelddruckmaschine für Anleihekäufe

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Seit diesem Montag kauft die Europäische Zentralbank (EZB) monatlich Staatsanleihen für 60 Milliarden Euro, um frisches Geld in die Märkte zu pumpen – und das mindestens bis September 2016. Das Billionen-Programm soll die Wirtschaft im Euroraum ankurbeln und die zuletzt kaum noch feststellbare Inflation anheizen.

Und das geht so: Die EZB druckt frisches Geld und kauft Wertpapiere am Sekundärmarkt – also nicht direkt bei
Staaten, sondern bei Banken oder Versicherern. So wird Geld ins
Finanzsystem geschleust. Fachleute nennen dies quantitative Lockerung oder schlicht “QE” (“Quantitative Easing”)

Die EZB kauft Papiere von Eurostaaten, von internationalen
Institutionen wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) oder von
nationalen Förderbanken wie der KfW. Bei Staatsanleihen gilt:
Gekauft werden nur Papiere von guter Bonität. Anleihen, die
von Ratingagenturen als Ramsch gewertet werden, sind außen vor – es
sei denn, das Land befindet sich in einem Sanierungsprogramm der EU
und erfüllt alle Sparauflagen. Die Überprüfung des Programms muss
abgeschlossen sein. Damit ist im Moment ausgeschlossen, dass die EZB
Anleihen Zyperns oder Griechenlands kauft.

Die Skeptiker ballen sich in Deutschland.

Robert Halver, Baader Bank:

“Ich glaube nicht, dass (das Bond-Kaufprogramm der EZB), ein Erfolg wird. Es wird mehr Liquidität geben an den Märkten, aber die Banken werden mit dieser Liquidität nicht Kredite an die Wirtschaft geben, weil die Zinserwartungen nicht hoch sind, vor allem nicht in der Peripherie der Eurozone. Das bedeutet, dass mehr Geld in die Aktienmärkte fließt, in die Immobilienmärkte und vor allem in mehr Schulden. Zu diesen Bedingungen keine Darlehen aufzunehmen, wäre Verschwendung, oder?”

Die neue Geldschwemme zeigte am Montag bereits erste Wirkungen an den Staatsanleihemärkten: Am Vormittag legten die Kurse auf breiter Basis zu. Im Gegenzug fielen die bereits niedrigen Renditen weiter, weil Anleger beim Erwerb der Papiere mehr zahlen müssen. Ausnahme Griechenland.

Bislang wirkt die Geldflut vor allem wie Schmierstoff für die Aktienmärkte. Da viele andere Geldanlagen wegen der niedrigen Zinsen kaum noch etwas
abwerfen, stecken Investoren ihr Geld in Aktien oder Immobilien. Die Preise steigen.

Bundesbank-Vorstand
Andreas Dombret sieht die Gefahr, dass viele Anleger auf der Suche
nach Rendite zu Vermögenswerten greifen, die sie bisher wegen deren
Risiken gemieden haben: “Die Entstehung von Preisblasen wird damit
wahrscheinlicher, und das könnte zu einem Problem für die Stabilität
des Finanzsystems werden.”

Es gebe keine Deflation im Euroland, sondern nur einen konjunkturell
hochwillkommenen Absturz der Ölpreise. Die Begründung für das Programm sei nur vorgeschoben, so Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn über die Anleihekäufe. Tatsächlich treibe die EZB mit ihrem Kaufprogramm die Abwertung des Euro voran: “Doch das darf die EZB nicht sagen, denn eine Wechselkurspolitik ist nicht ihr Auftrag.”

su mit dpa