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Kritik an Zerstörung von Kulturstätten durch irakische Aufständische

Die Islamisten setzen die Zerstörungen fort. So sprengten sie am Sonntag assyrische Ruinen bei Chorsabad in der Provinz Ninive.

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Kritik an Zerstörung von Kulturstätten durch irakische Aufständische

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Die islamistische IS-Miliz setzt die Zerstörung altorientalischer Kulturstätten fort.

Am Sonntag hätte sie assyrische Ruinen bei Chorsabad in der Provinz Ninive gesprengt, sagte ein Mitarbeiter der Altertumsbehördem von Ninive.

Die Dschihadisten zerstören seit Tagen wertvolle Jahrtausende alte Relikte im Irak – darunter mit al-Hadra auch eine der wenigen Unesco-Weltkulturerbestätten des
Landes.

Erst Ende Februar hatten die Dschihadisten ein Video veröffentlicht, das die Zerstörung assyrischer Kulturgüter zeigt.

So zertrümmerten sie Statuen im Museum Mossul und eine einzigartige assyrische Figur, die mehr als 2600 Jahre alt ist.

Darüber reden wir mit Axel Plathe, dem Vertreter der UNESCO in Irak.

Euronews: Die UNESCO spricht von einem Kriegsverbrechen und von “kultureller Säuberung”. Können Sie gegen diese Vorgänge etwas tun?

Plathe: Wir können keine Armeen zum Schutz dieser Orte entsenden. Wir können aber mit unseren Partnern – besonders Iraks Regierung – zusammen prüfen, ob wir den Schaden begrenzen und weitere Angriffe auf Kulturerstätten verhindern können.

Zur Zeit ist es jedoch sehr schwierig für uns, vor Ort etwas zu tun. In dem Gebiet, das diese Gruppen beherrschen, ist die UNO nicht vertreten.

Euronews: Die UNESCO hat an politische und geistliche Führer in der Region appelliert, an den Weltsicherheitsrat, den Weltstrafgerichtshof – was genau sollte unternommen werden?

Plathe: Bei dem Appell an den Strafgerichtshof geht es darum, diese Taten als Kriegsverbrechen zu verfolgen.

Unsere Generaldirektorin will auch eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats, damit die Weltgemeinschaft geschlossen für den Schutz des Kulturerbes eintritt.

Wir haben geistliche und politische Führer aufgerufen zu sagen, dass diese Verbrechen keine politische oder geistliche Rechtfertigung haben.

Und schließlich müssen wir jungen Leuten sagen, ihr müsst gegen diese Zerstörungen etwas tun, dort wird Eure Zukunft zerstört.

Euronews: Ist man gegen diese Barbarei nicht letztlich machtlos?

Plathe: Mittel- und langfristig sind wir nicht machtlos. Mit starker Unterstützung der Weltgemeinschaft, durch Mitglieder des Weltsicherheitsrats und durch die Forschergemeinschaft können wir eine sanfte Gewalt schaffen, die mittel- oder langfristig angemessen reagiert.

Euronews: Wie viele Kulturerbestätten sind zur Zeit gefährdet, und was steht dort auf dem Spiel?

Plathe: In diesen Gebieten liegen tausende Stätten. Die meisten Sorgen machen uns natürlich die bekanntesten.

Der Angriff auf al-Hadra hat uns schockiert, das wäre genauso wie ein Angriff auf die ägyptischen Pyramiden oder Buddhas Geburtsort in Nepal.

Das Tempo der Zerstörung nimmt beträchtlich zu. Assur steht auf der Weltkulturerbeliste, ebenso die Ausgrabungsstätte in Samarra. Das sind sehr wichtige Stätten im Irak.