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Ungarn: Broker-Skandal erschüttert Vertrauen ins Finanzsystem

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Ungarn: Broker-Skandal erschüttert Vertrauen ins Finanzsystem

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In Ungarn erschüttert ein Broker-Skandal das Vertrauen ins Finanzsystem. Die Nationalbank suspendierte innerhalb weniger Tage die Zulassung von drei Wertpapierfirmen und Investmentgesellschaften. Nach dem Zusammenbruch des Budapester Wertpapierhändlers Buda-Cash
nahmen die Behörden drei Führungskräfte, unter ihnen Generaldirektor Peter Tölgyesi, in Untersuchungshaft. Das Bezirksgericht (Buda) begründete dies mit Flucht- und Verdunkelungsgefahr, so Medienberichte.
Anfang der Woche meldete schließlich das Broker-Haus Quaestor Insolvenz an

Ob er glaubt, dass er sein Geld wiedersieht?
Ein Kunde: “Ich glaube nicht, dass ich alles zurückbekomme. Niemand glaubt das, meine ich.”

Die ungarische Notenbank hatte Ende Februar Buda-Cash die Betriebsgenehmigung entzogen und einen Insolvenzverwalter eingesetzt, ein Verfahren wegen Verdachts auf Betrug und Buchhaltungsdelikten wurde eingleitet. Nach Angaben der Notenbank soll Buda-Cash 330 Millionen Euro an Kundengeldern veruntreut haben.

Anfang des Monats war Hungaria Ertekpapir, eine kleinere Broker-Firma in Cegled bei Budapest, zusammengebrochen – möglicher Schaden rund 20 Millionen Euro.

Quaestor schließlich soll Obligationen im Wert von 197 Millionen Euro (60 Milliarden Forint) aufgelegt haben, die nicht über die nötige Deckung verfügten – vielleicht auch viel mehr. Unter anderen war Quaestor an der Einrichtung von staatlichen
ungarischen Handelshäusern in Russland und in der Türkei beteiligt. In Moskau betreibt die Firma zusammen mit russischen Partnern ein sogenanntes Visa-Zentrum, in dem Schengen-Visa ausgestellt werden. Die Tätigkeit war vom ungarischen Konsulat in das privatwirtschaftliche Zentrum ausgelagert worden.

Quaestor steht der Regierung des rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban nahe.

István Binder, Sprecher der Ungarischen Nationalbank:

“Die Die Fälle häufen sich, weil der Ungarischen Nationalbank nach Buda-Cash sofort klar war, dass der gesamte Markt – vielleicht auch nur ein kleiner Ausschnitt – sehr schnell überprüft werden muss. Also beschlossen wir, sofort auch eine Reihe von anderen Maklerunternehmen zu untersuchen.”

Andrea Hajagos – euronews

“Buda-Cash machte den Anfang, und seither beobachten viele beunruhigt den Niedergang der anderen Maklerunternehmen. Die Frage ist:. Wie konnte das passieren?”

Finanzjournalist András Mihalovits befürchtet Ansteckungsgefahr:

“Ich rechne mit schwerwiegenden Folgen. Grundsätzlich könnten die ungarischen Anleger, und es gibt ja gar nicht so viele von ihnen, das Vertrauen in Broker-Unternehmen verlieren – egal ob das ein kleines, unabhängiges Unternehmen ist oder eine große Firma mit einer internationalen Großbank im Hintergrund. “

Die Ungarische Nationalbank will den Vertrauensschaden begrenzen, hat aber gleichzeitig den Verdacht, dass eine Reihe von Vergehen über mehrere Jahrzehnte durchleuchtet werden müssen. Alle drei Firmen am Haken haben offenbar Zahlen frisiert. Bis zu 20.000 Kunden könnten allein bei Buda Cash Geld verlieren.

Vor gut einem Jahr waren die Zentralbank und die Finanzaufsicht zusammengelegt worden.

su mit dpa