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Krim: Überleben auf dem Zankapfel

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Krim: Überleben auf dem Zankapfel

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Die Krim ist seit der russischen Annektion vor einem Jahr Zankapfel der Internationalen Politik – das ist nicht unbedingt ein Wachstumsfaktor.

Die ersten Eindrücke: Lebensmittel werden immer teurer, westliche Unternehmen sind geflüchtet. Selbst Moskaus Statthalter Oleg Saweliew hat nach Medienberichten (BloombergBusiness) Mühe, Rechnungen zu bezahlen. Denn nicht nur McDonald’s, auch internationale Banken wie UniCredit, die Kreditkartenunternehmen MasterCard und Visa sind weg. Und große russische Banken wie OAO Sberbank und VTB noch nicht angekommen. Touristen brauchen Cash – Rubel, bündelweise.

Tourist Andrei Lemeshko aus St.Petersburg:

“Die Krim hat eine große Chance, vielleicht nicht Sotschi zu werden, aber Sotschi Nummer zwei. Die einzige Unannehmlichkeit, auf die ich hier gestoßen bin: Bankkarten – Visa und Mastercard – funktionieren hier nicht. Also empfehle ich den Gästen Bargeld.”

Und davon brauchen die zwei Millionen Krim-Bewohner immer mehr für das tägliche Überleben. Zwar bekommen 760.000 Rentner und Staatsbedienstete doppelte Auszahlungen, wie von Russlands Präsident Wladimir Putin versprochen. Aber gleichzeitig wurden Lebensmittel von März bis Ende 2014 um die Hälfte teurer.

Und knapper: Frühere Lebensmittel-Lieferanten aus der Ukraine fallen aus, weil die Regierung in Kiew die Grenze nicht ankennt, also ist der direkte Export verboten. Die meisten Lieferungen kommen jetzt per Fähre aus Russland. Schlechtes Wetter kann die Ankunft um Tage verzögern.

Die Zahl der Touristen – der wichtigste Wirtschaftsfaktor – ist nach Regierungsangaben um ein Drittel geschwunden, auf vier Millionen.

Für die verschwundenen Westfirmen sind nur wenige russische Unternehmen nachgerückt – aus Angst vor möglichen Strafen. Die USA und die EU sehen die Krim als besetztes Gebiet. Alexander Lebedev, ein russischer Investor und Besitzer eines Hotels in dem Krim-Badeort Aluschta: “Die Sanktionen sind für die Krim noch härter als für Russland.”

Der Hoffnungsträger: Die versprochene Brücke nach Russland im äußersten Osten, 19 Kilometer lang. 2018 soll sie fertig sein, frühestens.

su