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Auch die Juden Frankreichs blicken auf die Wahlen in Israel

Auch die jüdische Gemeinschaft in Frankreich blickt in diesen Tagen nach Israel. Nachdem antisemitische Gewalttaten innerhalb eines Jahres um 130

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Auch die Juden Frankreichs blicken auf die Wahlen in Israel

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Auch die jüdische Gemeinschaft in Frankreich blickt in diesen Tagen nach Israel. Nachdem antisemitische Gewalttaten innerhalb eines Jahres um 130 Prozent zugenommen haben, denken mehr Mitglieder als früher daran, das Land zu verlassen. In Straßburg sprach euronews mit einigen Vertretern der jüdischen Gemeinschaft, die mit rund 15.000 Menschen eine der größten des Landes ist. “Kurz nach den Attentaten in Paris und nach dem Attentat in Kopenhagen wurde hier in der Region ein Friedhof geschändet”, berichtet Maurice Dahan, stellvertretender Vorsitzender des Jüdisches Rates vom Unterelsass. “Etwa 300 Grabsteine wurden zerstört. Es ist, als wollte man uns auf diese Weise sagen, dass unsere Gemeinschaft weder eine Vergangenheit noch eine Zukunft hat.” Im vergangenen Jahr wanderten mehr als 6.500 französische Juden nach Israel aus, doppelt so viele wie 2013. Doch die zunehmende Zahl der Auswanderer ist nicht nur eine Folge der Gewalttaten. Doch Thierry Roos, Sprecher Jüdischen Rates vom Unterelsass, meint: “Fast alle hatten den Plan bereits vorher gefasst, der nun möglicherweise um einiges früher umgesetzt wurde. Die Juden sind nicht aus Frankreich geflüchtet. Sie gingen aus religiösen oder spirituellen Gründen, manche suchten bloß das Land ihrer Zukunft.”

Meinung

Ich bin zuallererst Franzose, danach Jude

Nach den Anschlägen in Paris lud Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Juden Europas und Frankreichs ein, nach Israel auszuwandern. Für die meisten Juden Straßburgs war diese Aufforderung nicht mehr als eine Wahlkampfparole. “Der Ministerpräsident sollte die im Ausland lebenden Juden nicht einladen, er erweist ihnen damit keinen Dienst”, meint entschieden der Künstler Dan Leclaire. “Er tut so, als sei dort alles in bester Ordnung. Jeder muss selbst entscheiden. Ich bin zuallererst Franzose, danach Jude. Ich lehne Fluchtgedanken angesichts von Ereignissen ab, die mich zwar betreffen, mich aber nicht dazu bringen, den Ort zu verlassen, an dem ich lebe.” “Selbst nach Toulouse, Paris und Kopenhagen, nach einer starken Zunahme solcher Vorfälle, denken die Juden Straßburgs nicht daran, Frankreich zu verlassen, sondern fordern insgesamt in Europa mehr Entschiedenheit im Kampf gegen den Antisemitismus”, so unsere Korrespondentin Margherita Sforza.