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Wie funktioniert die Sonnenfinsternis am 20. März 2015?

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Wie funktioniert die Sonnenfinsternis am 20. März 2015?

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Am Vormittag des 20. März ereignet sich eine totale Sonnenfinsternis, die in weiten Teilen Europas als partielle Sonnenfinsternis beobachtet werden kann. Ein Ereignis, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Hier einige Tips und Fakten, Beobachtungstips finden Sie hier.

Wann kommt es zu einer Sonnenfinsternis?

Bei einer Sonnenfinsternis streicht der Schatten des Mondes über die Erde. Der Mond muss also zwischen Sonne und Erde stehen, das ist bei Neumond der Fall.

Befindet sich die Erde zwischen Sonne und Mond, also bei Vollmond, kann es eine Mondfinsternis geben.

Warum kommt es denn dann nicht bei jedem Neumond zu einer Sonnenfinsternis?

Die Ebene der Mondbahn ist um 5° gegenüber der Ebene der Erdbahn geneigt. Fast befindet sich der Mond über oder unter der Sonne. Das sein Schatten also nicht auf die Erde trifft, gibt es bei Vollmond keine Sonnenfinsternis. Da er seinerseits nicht in den Schatten der Erde eintaucht gibt es nicht bei jedem Vollmond eine Mondfinsternis.

SICHERHEITSHINWEISE

licken Sie nie ungeschützt direkt in die Sonne! Setzen Sie eine Sonnenfinsternisbrille auf!
Nur wenn die Sonne vollständig verfinstert ist (am 20. März ist das auf Festland nur auf den Färöer Inseln und Svalbrad der Fall) können sie auf die Sonnenfinsternisbrille verzichten.


Sonnenfinsternisbrille

Beobachten Sie die Sonne niemals durch ein Fernglas oder ein Teleskop auch nicht mit Finsternisbrille. Die Schutzwirkung reicht auf keinen Fall aus. Verwenden Sie dafür eine Projektion.
Es gibt spezielle Schutzfolien für Teleskope und Ferngläser. Sie sind aber weitaus stärker als die, die für Brillen verwendet werden.


Es gibt besondere H-alpha-Teleskope für die Sonnenbeobachtung. Sie sind allerdings sehr teuer (ca. 800 EUR)



Wie oft kommt es zu einer Sonnen/Mondfinsternis?

Es gibt ein “Fenster” von 33 Tagen, innerhalb dessen es zu einer Finsternis kommen kann. Dieses “Fenster” wiederholt sich alle 173,3 Tage. Es kommt also irgendwo auf der Erde etwa alle sechs Monate zu einer Sonnen/Mondfinsternis.

Finsternisse gibt es immer im Doppelpack!

Da das “Finsternisfenster” 33 Tage umfasst, der Abstand zwischen einem Neumond (Sonnenfinsternis) und Vollmond (Mondfinsternis) inetwa 14,25 Tage beträgt, gibt es innerhalb von 14 Tagen immer eine Sonnen- und eine Mondfinsternis.

Der totalen Sonnenfinsternis am 20. März 2015 folgt am 5. April eine Mondfinsternis (die allerdings in Europa nicht beobachtet werden kann).

Der partiellen Sonnenfinsternis am 13. September 2015 (sichtbar im südlichen Afrika, dem südlichen Indischen Ozean und der Antarktis) folgt am 28. September 2015 eine totale Mondfinsternis, die in ihrer vollen Länge von Mitteleuropa aus beobachtet werden kann.

Manchmal auch im Dreierpack

Gelegentlich passen drei Finsternisse in ein Fenster. Entweder eine totale Mondfinsternis, die von zwei (partiellen) Sonnenfinsternissen eingerahmt wird (Juli/August 2018) oder eine totale Sonnenfinsternis, die von zwei Mondfinsternissen eingerahmt wird (Juni/Juli 2020). Die Finsternis in der Mitte ist immer total.

Was ist der Unterschied zwischen einer totalen und einer partiellen Sonnenfinsternis?

Während einer totalen Sonnenfinsternis wird die Sonne vollständig vom Mond verdeckt, während einer partiellen Sonnenfinsternis nur ein Teil.

Während einer totalen Sonnenfinsternis kommt es vor und nach der (bis zu 7 min 33 sek langen) Phase der Totalität zu einer partiellen Verfinsterung der Sonne, die jeweils rund eine Stunde dauert.

Wie lange dauert die Totalität?

Theoretischen Berechnungen zufolge kann eine totale Sonnenfinsternis bis zu 7:33 Minuten dauern.

Die totale Sonnenfinsternis am 16. Juli 2186 wird in Atlantischen Ozean 7:29 Minuten dauern.

Die totale Sonnenfinsternis am 20. März 2015 wird bei 64°17’N 6°54’W im Nordatlantik, südwestlich von Island und nördlich der Färöer Inseln mit 2:46,9 Minuten ihr Maximum erreichen. (09:45:16,6 UTC)

Wo kann man die totale Sonnenfinsternis beobachten?

Sie können die Finsternis als partielle Finsternis in Europa, großen Teilen Sibiriens, Nordafrikas, des Nahen Ostens, im nördlichen Zentralasien, der Mongolei und Nordwestchina beobachten.

Die einzigen Orte auf dem Festland, von denen aus die Finsternis als totale Sonnenfinsternis beobachtet werden kann sind die Färör Inseln und Svalbrad.

  • Totale Sonnenfinsternis bei Side (Türkei)

    29. März 2006 Christoph Debets

  • Totale Sonnenfinsternis bei El Calafate (Argentinien)

    In der Mitte der dunkle Schatten des Mondes mit der verfinsterten Sonne, daneben der nichtverfinsterte Horizont über den Anden 11. Juli 2010 17:47 (Ortszeit) Christoph Debets

  • Totale Sonnenfinsternis bei El Calafate (Argentinien)

    11. Juli 2010 Christoph Debets

Warum ist das Beobachtungsgebiet so klein?

Bei einer partiellen Sonnenfinsternis überstreicht der Halbschatten des Mondes (in der Animation grau) die Erde. Im Durchschnitt trifft er 20 % der Erdoberfläche. Der viel kleinere Kernschatten der Erde (schwarz) bedeckt nur 0,4 % der Erdoberfläche.

Deshalb kommt es zwar gut jedes halbe Jahr irgendwo auf der Erde (meistens über Wasser) zu einer Sonnenfinsternis. Eine totale Sonnenfinsternis ist aber ein seltenes Ereignis. Ein bestimmter Ort kommt im statistischen Durchschnitt alle 360 Jahre in den Genuss einer totalen Sonnenfinsternis.

Wie breit ist die Totalitätszone?

Der Streifen, den der Kernschatten des Mondes bedeckt, kann mehrere hundert Kilometer breit sein, typischerweise ist er 100 bis 160 km breit. Am 20. März 2015 wird die Totalitätszone zwischen 406 und 487 km breit sein. Nur dort kann man das Spektakel der totalen Sonnenfinsternis erleben, überall sonst handelt es sich nur um eine partielle Sonnenfinsternis, die auf Grund ihres hohen Verfinsterungsgrades aber ebenfalls ein eindrucksvolles Himmelsschauspiel darstellt.

Was ist das besondere an einer totalen Sonnenfinsternis?

Nur bei einer totalen Verfinsterung der Sonne kann man die Korona, den äußersten Teil der Sonnenatmosphäre sehen. Es ist die “Schwarze Sonne”, die dunkle Scheibe des Mondes umgeben vom silbernen Strahlenkranz der Korona.

Mit Eintritt der Totalität wird es auf einen Schlag fast so dunkel wie in der Nacht. Schlagartig, nicht allmählich wie abends. Zwar fallen auch bei einer partiellen Sonnenfinsternis die Temperaturen teilweise deutlich und es wird erheblich dunkler, aber selbst bei einer zu 99 % bedeckten Sonne ist das Erlebnis nicht annähernd vergleichbar mit einer totalen Sonnenfinsternis, wenn 100 % der Sonne vom Mond bedeckt werden.

Christoph Debets ist politischer Nachrichtenredakteur bei euronews. Er ist Hobbyastronom und jagt Sonnenfinsternisse.