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Transanatolische Pipeline gibt Gas

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Transanatolische Pipeline gibt Gas

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Die Präsidenten der Türkei, Georgiens und Aserbaidschans haben den Grundstein für die milliardenschwere Pipeline Tanap gelegt. Sie soll Erdgas aus dem Kaspischen Meer nach Europa bringen. In Kars im Osten der Türkei wurde das erste Rohrstück der 1.850 Kilometer lange Transanatolischen Erdgas-Pipeline in der Erde versenkt.

Das Ziel: Gas aus dem Gasfeld Schah Denis im Kaspischen Meer, das Gesamtreserven von rund einer Billion Kubikmeter Gas besitzt, soll über Aserbaidschan und Georgien zur Tanap gelangen, und dann weiter über Griechenland, Albanien und durch die Adria bis nach Italien.

Nurşin Ateşoğlu Güney, Technische Universität Yilidiz:

“Dieses Projekt dient der Sicherheit der europäischen Energieversorgung. Diversifizierung würde die Energieabhängigkeit Europas reduzieren.”

Das Projekt soll rund 10,5 Milliarden Euro kosten und wird getragen von der Türkei, Aserbaidschan und dem britischen Energiekonzern BP.

In drei Jahren soll das erste Gas durch Tanap in die Türkei fließen, ein Jahr später ist die Weiterleitung nach Europa geplant. Zunächst sollen rund 16 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr gen Westen gepumpt werden. 2020 soll das Gas auch Europa erreichen.

Bis zum Jahr 2026 ist eine Jahreskapazität vom mehr als 31 Milliarden Kubikmetern geplant – die rohstoffarme Türkei behält dabei rund sechs Milliarden Kubikmeter für sich.

Im Endausbau könnte Tanap rund fünf Prozent des europäischen Gasbedarfs von rund 500 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr decken. Derzeit kommt rund ein Drittel des in Europa verbrauchten Gases aus Russland. Auch die Türkei ist bei Erdgasimporten sehr von Moskau abhängig und bezieht mehr als die Hälfte des Rohstoffs aus Russland.

Bora Bayraktar – euronews, Kars:

“Das Gas aus Aserbeidschan wird nicht nur die Türkei versorgen, sondern bietet auch Europa eine Energie-Alternative”

In den kommenden Jahren will Russland eine Gaspipeline durch das Schwarze Meer zum europäischen Teil der Türkei bauen. Moskau hatte im Dezember das Pipeline-Projekt South Stream aufgegeben, über das russisches Gas via Bulgarien in die EU kommen sollte.

Bulgarien will unabhängiger von russischen
Erdgaslieferungen werden und diese durch Gas aus Aserbaidschan ersetzen. Dafür möchte das EU-Land das 2013 aufgegebene Nabucco-Projekt einer Gas-Pipeline teilweise wiederbeleben. Er wolle sich bei der Europäischen Union für den Bau einer Pipeline von der türkisch-bulgarischen Grenze bis nach Österreich einsetzen, sagte
Präsident Regierungschef Boiko Borissow nach einem Gespräch mit Aserbaidschans Präsidenten Ilcham Alijew. Diese Pipeline ist auch unter dem Projektnamen Nabucco-West bekannt.
Nabucco-West könne an die geplante türkische Pipeline Tanap angeschlossen werden, schlug Borissow vor.

Das Nabucco-Projekt war angesichts der Pläne Russlands für die South-Stream-Pipeline durch das Schwarze Meer nach Bulgarien 2013
abgesagt worden. Dann sagte der russische Präsident Wladimir Putin 2014 auch dieses Projekt ab, weil Bulgarien auf Einhaltung von
EU-Regeln für Bau und Betrieb der Pipeline beharrte.

su mit dpa, Reuters, AFP