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Selfie-Sticks in Versailles verboten!

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Selfie-Sticks in Versailles verboten!

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Mit dem Selfie-Stick erkundet der moderne Tourist Europas Kulturschätze. Das Gruppenporträt vor historischer Kulisse muss sein, auf Biegen oder

Mit dem Selfie-Stick erkundet der moderne Tourist Europas Kulturschätze. Das Gruppenporträt vor historischer Kulisse muss sein, auf Biegen oder Brechen, sprichwörtlich. Immer mehr Kulturstätten haben Angst vor dem forschen Teleskoparm. Im Schloss von Versailles zum Beispiel ist der Selfie-Stick ab sofort verboten. Ein echtes Dilemma für Selfie-Addicts, wie diese Touristin. Sie sagt: “Es ist einfach sehr praktisch für Leute, die sich zusammen fotografieren wollen. ich hätte den Stick gerne benutzt, aber was soll’s.”

Der Stangenwald behindert die Sicht, gefährdet Besucher und Exponate, argumentiert die Museumsleitung.

Denis Verdier-Magneau, Leiter der Abteilung für kulturelle Entwicklung: “Man ist nur knapp einen Meter entfernt. Nehmen wir zum Beispiel diesen Wandtisch. Ich muss nur den Arm ausstrecken, um ihn zu berühren. Genau so ist das mit den Vasen oder den Kronleuchtern über unseren Köpfen. Bei nur einen Meter Abstand können Sie sich vorstellen, welchen Schaden ein Selfie-Stick anrichten kann.”

Über eintausend Touristen strömen jeden Tag durch das Schloss von Versailles. Das ergibt in der Summe tatsächlich eine Menge Sticks.

“Wir sind mit einer Gruppe hier, unsere Freunde machen Fotos von uns”, sagt eine Touristin.“Aber wenn man alleine reist, ist das schon enttäuschend.”

Auch das illustre Pariser Louvre denkt über ein Verbot der Selfie-Stangen nach. Und das Centre Pompidou untersucht derzeit, wo und wie sich ein Selfie-Stick-Verbot sinnvoll durchführen lässt. Denn der Selfie-Drang der Besucher hat durchaus auch Vorteile, erklärt Simon Bruneel vom Palais de Tokyo.

“Der Selfie-Stick stellt die Verbindung zu den sozialen Netzwerken her, weil die Besucher ihre Fotos auf Instagram, Facebook oder Twitter veröffentlichen. Das hat einen direkten Einfluss auf die Besucherzahlen. Weil es andere dazu animiert, die Ausstellungen zu besuchen.”

Die Stangen sind das Problem, nicht die Selfies. Das Selbstporträt mit Kunst ist vielerorts nach wie vor ausdrücklich erwünscht.