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Pirelli wird chinesisch

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Pirelli wird chinesisch

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Der italienische Reifenhersteller Pirelli soll in einem 7,1 Milliarden Euro schweren Deal von dem staatlichen Chemie-Gigant China National Chemical Corporation (ChemChina) übernommen werden. ChemChina hat sich einem ersten Schritt 26,2 Prozent der Anteile für knapp 1,9 Milliarden Euro gesichert, so das Unternehmen. Das Paket sei dem Mehrheitseigner Camfin abgekauft worden. Der Preis je Aktie von 15 Euro werde jetzt auch allen anderen Pirelli-Anteilseignern angeboten. Pirellis Sitz und Know-how sollen in Italien blieben.

“Die Einigung mit ChemChina ist eine große Chance für Pirelli”, sagt Vorstandschef Marco Tronchetti Provera, der seinen Job behält.. “Der Geschäftsansatz und die strategische Vision garantieren die Entwicklung und die Stabilität von Pirelli.”

Finden diese Mitarbeiter eher nicht:

“Ich denke, das ist eine Bankrotterklärung. Eine Bankrotterklärung für die gesamte italienische Industrie.”

“Unsere Hoffnung ist, dass am Ende von Pirelli wenigstens Hauptverwaltung und Forschung und Entwicklung in Italien bleiben”.

Sollte ChemChina mit dem Gebot über seine hundertprozentige Tochter China National Tire and Rubber Company (CNRC) erfolgreich sein, wäre das einer der größten Einstiege eines staatlichen chinesischen Unternehmens im Ausland.

Mit der Übernahme bekommt ChemChina Zugang zur Technologie für die Herstellung von Premium-Reifen – Reifen im oberen Marktsegment – Pirelllis Geschäft mit Lastwagen-Reifen soll mit Teilen von ChemChina zusammengelegt und so das
Volumen in dem Bereich von 6 Millionen auf 12 Millionen Reifen verdoppelt werden.

Camfin gehört mehrheitlich dem russischen Ölkonzern Rosneft und einer Holding des Pirelli-Chefs Marco Tronchetti Provera. Weitere Aktionäre sind die Banken Intesa Sanpaolo und Unicredit.

Brancheninsider können sich vorstellen, dass Pirelli aufgespalten wird – in einen lukrativeren Teil, der hochwertige Reifen vertreibt, und einen anderen, dessen Geschäft mit industriellen Reifen mit der chinesischen Seite verschmolzen wird.

Bankanalystin Jane Foley, Rabobank, London:

“Italien kann da wahrscheinlich gar nicht gegenhalten, wenn Investoren aus dem Ausland mehr Möglichkeiten für Pirelli und andere Unternehmen bieten, ihre Produkte in China zu vermarkten.”

Pirelli ist 143 jahre alt, setzt pro Jahr gut sechs Milliarden Euro um (2014) und hat ein Netzwerk in 160 Ländern. Den Reifenhersteller gibt es seit 1872. Er produzierte in Mailand zunächst Fahrradreifen, konzentrierte sich später auf Reifen für Autos und beliefert inzwischen die Formel 1. Zudem ist Pirelli für seine aufreizenden Kalender bekannt, für die bereits Stars wie Sophia Loren, Brigitte Bardot und Penelope Cruz posiert haben.

Den Industriekonzern China National Chemical Corporation gibt es seit 2004, Umsatz 36,3 Milliarden Euro (2014), Exporte in 140 Länder. Sein Vorsitzender Ren Jianxin will einen weltweiten Marktführer in der Reifenindustrie schaffen. ChemChina hat in China zahlreiche Tochterunternehmen, vor allem im Sektor Agrochemie. Weitere Geschäftsbereiche sind Elastomere (Gummi), Petrochemie und Spezialchemie.

su mit dpa, Reuters