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Spieler und Gegenspieler im Jemen-Konflikt

Die fortdauernden Kämpfe haben das Land auf der Arabischen Halbinsel ins Chaos gestürzt. Erschwerend kommt hinzu, dass andere Länder der Region hier

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Spieler und Gegenspieler im Jemen-Konflikt

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Die fortdauernden Kämpfe haben das Land auf der Arabischen Halbinsel ins Chaos gestürzt. Erschwerend kommt hinzu, dass andere Länder der Region hier eine Art Stellvertreterkrieg veranstalten, vor allem Iran und Saudiarabien.

Saudiarabien, geprägt durch den Islam der sunnitischen Glaubensrichtung, wirft dem schiitisch dominierten Iran vor, er unterstütze die jemenitischen Aufständischen, bekannt als “Huthi”.

Jemens Außenminister hat die sunnitischen Nachbarländer um ein militärisches Eingreifen gegen die Huthi gebeten. Die Staaten wollen darüber nun im Rahmen der Arabischen Liga beraten.



Main factions in conflict

Die Huthi

Die Huthi sind ein schiitischer Volksstamm aus Nordjemen. Früher unterdrückt, etablierten sie sich im Arabischen Frühling von 2011 als politische Kraft.

Im September eroberten sie Jemens Hauptstadt Sanaa. Vor einigen Wochen setzten sie Staatspräsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung ab.

Die Huthi bestreiten, dass sie von Iran unterstützt werden. Sie sehen sich auch nicht in einem Kampf der Glaubensrichtungen, sondern gegen eine abgewirtschaftete Regierung.

Staatspräsident Abed Rabbo Mansur Hadi

Hadi kam 2012 als Übergangspräsident ins Amt, nachdem Langzeitherrscher Ali Abdullah Salih angesichts der Proteste gegen ihn abgetreten war.

Eine Zeitlang wurde er durch die Huthi in seinem Amtssitz in Sanaa festgehalten; letzten Monat flüchtete er in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er versucht weiterzuregieren.

Vor wenigen Tagen erklärte er Aden sogar zur Übergangshauptstadt.

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih

Salih herrschte über dreißig Jahre lang, erst zu Zeiten der Teilung über Nordjemen, mit der Wiedervereinigung
1990 dann über das ganze Land. Nach Protesten musste er Anfang 2012 zurücktreten.

Die UNO hat gegen ihn Sanktionen verhängt. Saudiarabien gewährte Salih nach dem Rücktritt Unterschlupf. Nach wie vor mischt er sich in Jemen aber ein; er steht dabei auf Seiten der Huthi-Aufständischen.

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel

Die Gruppe, auch bekannt als “AQAP” ist der aktivste und wirkungsvollste Ableger von Al-Kaida. Selbst den “Charlie-Hebdo”-Anschlag von Paris will sie veranlasst haben.

Die sunnitischen Extremisten galten bisher als heimliche Gewinner im jemenitischen Machtpoker. Trotz aller Ähnlichkeiten geraten sie nun aber über Kreuz mit der syrisch-irakischen IS-Miliz, die in Jemen ebenfalls aktiv wird.

Verschiedene Glaubenrichtungen

Im Landesnorden herrscht das Zaiditentum vor, eine Richtung innerhalb des Schiitentums. Bis 1962 hatten die Zaiditen in Nordjemen noch eine eigene Monarchie, die dann aber gestürzt wurde.

Dagegen dominiert im Süden und Osten des Landes das Schafiitentum, eine Schule im sunnitischen Islam.

Im Gegensatz zu anderen Ländern wie Syrien und Irak nutzen beide Richtungen in Jemen aber gemeinsame Moscheen und leben dort seit Jahrhunderten normalerweise friedlich zusammen.

Schifffahrt

Sollten die Kämpfe in Jemen eskalieren, würde das möglicherweise die Handelsschifffahrt vor der Küste beeinträchtigen, wie zum Beispiel die Erdöltransporte.

Zwischen Jemen und Dschibuti auf dem afrikanischen Kontinent verläuft die Meeresenge von Bab al-Mandab, die den Golf von Aden mit dem Roten Meer verbindet – und damit letztlich mit dem Sueskanal.



Jemen auf einen Blick

Einwohner: 24,4 Millionen (2013)

BIP: 32,8 Milliarden Euro (2013)

Pro-Kopf-BIP: 1257 Euro

Fläche: 527.968 Quadratkilometer

Lebenserwartung: 63 Jahre

Quellen: UNO, Weltbank

Korruptionsindex 2014 von Transparency International: Platz 161 (von 175)

*Rangliste der Pressefreiheit 2015 von Reporter ohne Grenzen Platz 168 (von 180)