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Der schmale Grat zwischen Information und Sensationsgier

Seyne-les-Alpes ist ein kleiner Ort in den französischen Alpen mit weniger als 2000 Einwohnern. Doch mit einem Mal steht Seyne-les-Alpes im

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Der schmale Grat zwischen Information und Sensationsgier

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Seyne-les-Alpes ist ein kleiner Ort in den französischen Alpen mit weniger als 2000 Einwohnern.

Doch mit einem Mal steht Seyne-les-Alpes im Mittelpunkt der Medienwelt. Reporter und Kamerateams treten sich gegenseitig auf die Füße – immer auf der Jagd nach Bildern, Stimmen und Fakten – oder wenn’s nichts anderes gibt auch nach Gerüchten.

Wie geht die Bevölkerung mit diesem Trubel um? Sie könne nachvollziehen, dass so viele Reporter gekommen sind, so eine Frau. Immerhin seien in der Nähe 150 Menschen gestorben. Aber dass es nur noch darum geht, sei ihr zu viel, sagt sie.

“Immer wenn es Tote gibt, sind die Medien da”, meint ein Einheimischer. “Man hört dann nur noch von dieser Katastrophe und nie von jemandem, der etwas Gutes getan hat, der jemanden gerettet hat. So ist unsere Gesellschaft.”

Werden die Medien also von Sensationsgier getrieben? Zählen nur Schlagzeile und Einschaltquote? Andreas Weise, Journalist vom Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF), sagt:

“Wir werden niemanden, der das nicht möchte, vor irgendeine Kamera zerren. Wir werden sehr, sehr zurückhaltend damit umgehen. Und selbst wenn jemand etwas sagen möchte, wäre ich mir nicht sicher, ob ich das wirklich auch senden würde. Es ist eine Extremsituation: Man hat jemanden verloren, der einem wahnsinnig nahe steht. Und das sind Extremsituationen, wo man manchmal Leute vielleicht auch vor sich selber schützen muss”, so Weise.

euronews-Reporterin Laurence Alexandrowicz fragt einen weiteren Berichterstatter in Seyne-les-Alpes, Pere Bosch von Televisió de Catalunya: “Wie arbeiten Sie als Journalist mit den Opferfamilien? Haben Sie da Regeln, Grenzen?”

“Gestern ist ein Bus aus Barcelona mit 13 Familien eingetroffen”, sagt Bosch. “Es gibt die strenge Vorschrift, einen Sicherheits- und Respektsabstand zu halten. Diese Vorschrift befolgen wir. Für die Familien ist das ein sehr schwieriger Moment und man muss ihre Intimsphäre respektieren.”

Auch in Montabaur, dem Heimatort des Kopiloten, versammelte sich kurz nach Bekanntwerden der Identität ein Großaufgebot der Medien. In Deutschland ist anhand des aktuellen Falls ein alte Diskussion neu entflammt: Dürfen die Medien den vollständigen Namen und nicht unkenntlich-gemachte Fotos des Kopiloten veröffentlichen?