Eilmeldung

Eilmeldung

Griechenland: Zahle und spare

Sie lesen gerade:

Griechenland: Zahle und spare

Schriftgrösse Aa Aa

Griechenlands Regierung, das ist kein Geheimnis, braucht Geld. Viel Geld. Nun gab es eine Woche lang für alle Steuerschuldner die Gelegenheit, ihre Schulden ganz oder teilweise zu Vorzugsbedingungen zu zahlen.

Für Miltos Ballis ist das allerdings alles nicht so einfach. Er schuldet dem Staat 8000 Euro an Erbschaftssteuern. Gleichzeitig hat er eine Familie, die er ernähren muss.

“Sie denken daran, Geld einzusammeln, von überall. Ich werde zahlen, was ich kann. Aber meine Kinder sind wichtiger für mich, wie für jede griechische Familie. Wir haben früher Geld verdient, dann kamen die ersten Einschnitte, auch für mich und meine Frau. Wir können sie nicht ausgleichen, und so hat die Abwärtsspirale begonnen.”

Das Motto der Regierung lautete in etwa “je mehr du zahlst, umso mehr kannst du abschreiben.” So wurden etwa Gebühren und Strafen für Rückstände gesenkt. Wer beispielsweise 50 Prozent seiner Schulden zahlte, konnte 50 Prozent an Gebühren sparen.

euronews-Reporterin Symela Touchtidou: “Die Zeit ist um: sowohl für die, die von den Erleichterungen profitieren wollten als auch für die Regierung. Die leeren Kassen vor Augen, will sie nun so Einnahmen erzielen, um in den kommenden Wochen Verpflichtungen erfüllen zu können, sowohl zu Hause als auch auswärts.”

Viele Menschen schienen Interesse an dem Programm der Regierung zu haben. Aber über das Ergebnis kann im Moment noch nichts Abschließendes gesagt werden.

Die Finanzbeamtin Sofia Sexperidou: “Es gibt Fälle, in denen sehr alte Schulden beglichen wurden. Die abschließende Bewertung werden wir kommende Woche vornehmen, am Dienstag oder Mittwoch. Dann haben wir die endgültigen Zahlen von den Banken.”

Manche sagen, sie hätten aufgehört zu zahlen, in der Hoffnung, ihre Schulden würden früher oder später abgeschrieben.

Der Steuerberater Antonis Mouzakis glaubt, die Zahlungsmüdigkeit hänge mit der Sparpolitik zusammen. “Die Griechen hatte nie eine Kultur des Nicht-Zahlens. Sie waren kein Volk, das seine Verpflichtungen nicht erfüllt hätte. Das ist eine Tatsache. Aber die Lasten der vergangenen Jahre haben sie darüber nachdenken lassen, ob sie wirklich ihre Steuern zahlen müssen.”

Die Schulden der griechischen Bürger beim Staat belaufen sich auf mehr als 70 Milliarden Euro. Das entspricht fast 40 Prozent der Wirtschatfsleistung des Landes.