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Großbritannien: Wo sind all die Parlamentarier hin?

Ab heute gibt es in Großbritannien keinen einzigen Parlamentsabgeordneten mehr. Denn die 650 Mitglieder des Londoner Parlament befinden sich im

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Großbritannien: Wo sind all die Parlamentarier hin?

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Ab heute gibt es in Großbritannien keinen einzigen Parlamentsabgeordneten mehr. Denn die 650 Mitglieder des Londoner Parlament befinden sich im Wahlkampf.

Die Kampagne für die Wahlen wird traditionell durch die Auflösung des Unterhauses eingeleitet. Damit gehen heute fünf Jahre Regierungskoalition zwischen den Konservativen von Premier Cameron und den Liberaldemokraten zu Ende – auch wenn die Regierung ihre Aufgaben weiter ausführt bis eine neue Regierung steht. Sie ist angehalten, keine großen politischen Entscheidungen mehr zu fällen.

Der Ausgang des diesjährigen Urnengangs scheint Wahlforschern zufolge so unvorhersehbar wie selten zuvor. In diesem Jahr könnten vor allem kleineren Parteien gute Chancen haben, auch wenn Großbritanniens Wahlsystem der relativen Mehrheitswahl eher den großen Parteien zugute kommt. Für beide großen Parteien, Konservative und Labour, wird es für eine absolute Mehrheit voraussichtlich eng.

Wer stellt sich zur Wahl?

Die fünf wichtigsten Parteien und ihre Vertreter sind:

  • Konservative Tories: David Cameron @David_Cameron
  • Labour-Partei: Ed Miliband @Ed_Miliband
  • Liberal Democrats (Lib Dem) Nick Clegg @nick_clegg
  • UK Independence Party (UKIP): Nigel Farage @Nigel_Farage
  • Greens: Natalie Bennett @natalieben

Am Donnerstag kommen die Parteivorsitzenden der größten Parteien zur ersten TV-Debatte zusammen.

Welche Themen stehen bei der Wahl im Fokus?

1. Großbritanniens Haushaltsloch
Die Konservative von David Cameron hat angekündigt den “Job zu Ende bringen” zu wollen, das heißt, weiter Sparmaßnahmen durchsetzen und das am besten so schnell wie möglich. Auch die sozialdemokratische Labour-Partei will sparen, verspricht jedoch, die Maßnahmen langsamer und sanfter durchsetzen zu wollen.

Die wirtschaftliche Krise wird wohl das entscheindende Wahlkampfthema der beiden großen Parteien. Während die regierenden konservativen Tories für Wirtschaftswachstum und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit eintreten – stellt die Labour-Partei die steigenden Lebenshaltungskosten in den Mittelpunkt ihrer Kampagne.

2. EU – ja oder nein?
Sollte Cameron wiedergewählt werden, hat er Wählern eine Abstimmung über den Austritt Großbritanniens aus der EU versprochen. Bis 2017 will er das Referendum durchgeführt haben. Die Labour-Partei hat sich gegen ein solches Referendum ausgesprochen. UKIP, Nigel Farages Unabhängigkeitspartei, möchte dagegen lieber heute als morgen aus der EU austreten.

3. Schottland – mit oder ohne?
Ein entscheidende Frage ist zudem die Lage in Schottland. Auch wenn Nationalisten im vergangenen Jahr eine Abstimmung zur Unabhängigkeit von Großbritannien verloren haben, hat die SNP, die Scottish National Party, entscheidend an Rückhalt in der schottischen Bevölkerung gewonnen. Wahlforschern zufolge könnten alle Wahlkreise Schottlands, die sonst von Labour dominiert sind, an die SNP gehen. Labour-Chef Ed Miliband hatte jedoch zuvor eine Koalition mit der SNP ausgeschlossen.

Aktuelle Umfragen

Kleinere Parteien in Großbritannien ringen den großen etablierten immer mehr Stimmen ab, die Scottish National Party ist laut Umfragen drittstärkste Kraft im Vereinten Königreich. Geringe Chancen sehen aktuelle Umfragen für eine Mehrheitsregierung, sei es für die Konservativen oder Labour – für eine absolute Mehrheit werden 326 der 650 Sitze im Parlament benötigt. Wahrscheinlich ist eine Koalitionsregierung. Einer möglichen Minderheitsregierung einer der beiden großen Parteien wird nicht viel Erfolg versprochen, auch Neuwahlen sind denkbar sollten weder Konservative noch Labour-Partei ihren Rückhalt im Parlament als ausreichend vorfinden.

Prozentual gesehen, schneidet vor allem UKIIP in aktuellen Umfragen gut ab. Zwischen den beiden großen Parteien ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Auf die Frage, welche Regierungs sie sich vorstellen können, bevorzugen Wähler die Koalition, die in den vergangenen fünf Jahren regierte gegenüber einer Labour-SNP-Koalition.