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Toni Servillo bleibt Theater treu

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Toni Servillo bleibt Theater treu

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Mit „La Grande Belezza – die große Schönheit” wurde er weltberühmt. Der preisgekrönte Schauspieler und Theaterregisseur Toni Servillo hat sich in

Mit „La Grande Belezza – die große Schönheit” wurde er weltberühmt. Der preisgekrönte Schauspieler und Theaterregisseur Toni Servillo hat sich in Lyon mit einem Gastspiel die Ehre gegeben. Theater ist und bleibt Servillos große Liebe. “Theater als eine Kunstform erzeugt für mich die glücklichen Momente, in denen es noch möglich ist, sich selbst und das gemeinsame mit der gleichen Kraft auszudrücken. Es wäre schrecklich, wenn es keine Menschen geben würde, die sich um diese Außenposten der Zivilisation kümmern würden.”

Auf seiner Welttour, die bereits 2013 begann, machte Toni Servillo Halt im Lyoner “Theatre des Céléstins”. Der Italiener inszenierte nicht nur Eduardo de Filippos Komödie „Innere Stimmen”, er steht auch selbst mit seinem Bruder Peppe auf der Bühne. Die beiden spielen in der gesellschaftskritischen Komödie ein neapolitanisches Brüderpaar, das heißblütige Nachbarschaftskonflikte austrägt. Es geht um die Macht der Imagination, um Vertrauen und Misstrauen, um die Unsicherheit dessen, was wirklich ist.

Toni Servillo sagte: “Diese Komödie, die sicherlich zu den bittersten von Eduardo gehört, porträtiert eine Art von Mensch, die dem Verbrechen gleichgültig gegenübersteht, die das als normales Verhalten legitimiert. Es ist eine Geschichte, über eine Gesellschaft, die extrem labil ist, und immer Gefahr läuft, in eine Kluft der Unmoral abzugleiten. Leider stellt dies genau unsere Gesellschaft dar.”

Toni Servillo gründete seine erste Theatergruppe im Alter von 18 Jahren. 10 Jahre später gehörte er zu den Gründern der Theatergruppe “Teatri Uniti”. Seitdem steht er meistens auf der Bühne. Seit Anfang 2000 ist er auch regelmäßig in Filmen zu sehen, die er hauptsächlich in den Sommerpausen dreht. Toni Servillo: “Nein, beides zu machen, ist nicht schizophren für mich. Ich genieße die Möglichkeiten, beides zu tun, im Theater zu spielen, aber auch in Filmen aufzutreten. Das tue ich mit der gleichen Leidenschaft, den gleichen Zielen. Es ermöglicht mir auch, ein komplett verschiedenes Publikum anzusprechen. Ich erlebe das Theater nicht als etwas, das man gelegentlich mal tut, oder schlimmer noch als eine Art Wartezimmer, in der Hoffnung, irgendwann mal den Durchbruch im Kino zu schaffen.”

In den vergangenen Jahren wurde er für seine Leistung mit zahlreichen Preisen überschüttet. 2008 wurde er von der Europäischen Filmakademie für seine Darstellung in den Filmen “Il Divo”, von Paolo Sorrentino und “Gomorra” von Matteo Garrone als bester Schauspieler ausgezeichnet.

2014 erhielt dann der Streifen “La Grande Bellezza – die große Schönheit” mit Servillo in der Hauptrolle einen Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Toni Servillo: “Seit dieser wunderbaren Nacht habe ich nur Theater gespielt. Ich denke, diese Art von Auszeichnung muss mit großem Enthusiasmus angenommen werden, aber das Entscheidende ist, dass man am nächsten Tag sich wieder an die Arbeit macht, ohne sich zwecklos am Erfolg zu betrinken.”

Servillo hatte nicht mal Zeit, den Oscar gebührend zu feiern. Am nächsten Abend stand er bereits wieder auf der Bühne. Nächsten Sommer ist er dann wieder im Kino zu sehen. Aber bis dahin tritt er weiterhin im Theater auf. Seine Inszenierung “Die Innere Stimme” wird als Nächstes in Budapest und Warschau gezeigt. Es gebe viel von dem Autor des Stückes zu lernen, meint Servillo. “Er hat sein ganzes Leben diesem Beruf gewidmet und das mit solcher Integrität, moralischer Beständigkeit, Dynamik und Hingabe. Dabei hat er seine moralische Vision vom Leben nicht aus den Augen verloren. Wenn mehr Menschen, die an der Macht sind, mit der gleichen Entschlossenheit, Dinge verwirklich würden, wie Eduardo das getan hat, würden viele Dinge besser funktionieren, als sie es jetzt tun.”