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Wie Japan Naturkatastrophen vorbeugt

Sendai liegt in der japanischen Region Tohoku, die vor vier Jahren von einem Erdbeben und einem Tsunami heimgesucht wurde. Hier fand die dritte

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Wie Japan Naturkatastrophen vorbeugt

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Sendai liegt in der japanischen Region Tohoku, die vor vier Jahren von einem Erdbeben und einem Tsunami heimgesucht wurde. Hier fand die dritte Konferenz der Vereinten Nationen zum Thema Katastrophenvorbeugung statt.

euronews-Reporter Serge Rombi berichtet: “Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat hier in Sendai ein neues Paket zur Vorbeugung gegen Naturkatastrophen bekannt gegeben. Innerhalb von vier Jahren sollen 3,8 Milliarden Euro ausgegeben werden, um 40.000 Menschen zu schulen und Japans internationales Wirken auf diesem Gebiet weiterzuentwickeln.”

Etliche Zahlen kamen in Sendai auf den Tisch: In den nächsten zehn Jahren soll die Anzahl der Todesopfer von Naturkatastrophen um 100.000 verringert werden. Und auch die Schäden für die Wirtschaft sollen reduziert werden.

“Durch Naturkatastrophen entsteht pro Jahr ein Verlust von 300 Milliarden US-Dollar. Die Zahl hat in den vergangenen zehn Jahren dramatisch zugenommen”, so Neil McFarlane von den Vereinten Nationen.

Die Gefahren sind vielfältig: Wirbelstürme gab es in Japan schon immer, in dem Inselstaat gibt es rund 100 aktive Vulkane, 20 Prozent der Erdbeben der Stärke sechs und höher treffen Japan. Dennoch ist die Opferzahl geringer als anderswo, denn die Japaner beugen vor.

“Es gibt auf den japanischen Inseln mehr als 4000 Kontrollposten. Innerhalb eines kurzen Augenblicks sind wir in der Lage, die Stärke eines Erdbebens zu bestimmen und diese Information an andere Länder weiterzugeben. Als 2011 die Erde bebte, waren rund 100 Schnellzüge unterwegs. Wir konnten sie sofort anhalten. Deshalb gab es keine Unfälle und keinen einzigen Toten”, erläutert Yoshiyasu Hyoutani, Japans stellvertretender Direktor für Katastrophenschutz.

Ein riesiges Wasserreservoir dient als Schutz vor Überschwemmungen. Die fünf Silos sind mit einem sechs Kilometer langen Kanalisationssystem verbunden, das einen Durchmesser von rund zehn Metern hat. Auf diese Weise kann vier Flüssen aus der Region Wasser entzogen werden. Dieses wird dann in einen anderen Fluss umgeleitet. So werden Städte vor Überschwemmungen geschützt.

“Dank dieses Systems gibt es viermal weniger überflutete Gebiete als vorher. Die Zahl der von Überschwemmungen betroffenen Häuser ist dadurch dreimal geringer”, sagt Oosu Eiichi, der Direktor des Reservoir-Betreibers.

In Japans Hauptstadt Tokio steht der 634 Meter hohe Skytree. Der Fernsehturm ist das zweithöchste Bauwerk der Welt. Die Japaner sagen, der Skytree sei erdbebensicher. Das liegt an seiner Struktur: Einem Mittelpfeiler aus Beton nämlich, der über Dämpfer mit der äußeren Strahlkonstruktion verbunden ist.

“Der Mittelpfeiler und die Stahlkonstruktion bewegen sich jeweils in die entgegengesetzte Richtung. Bis zu 50 Prozent der Energie, die auf den Turm wirkt, kann kompensiert werden. So hält er Erdbeben stand”, erläutert Haruki Nagatsuma vom Skytree-Betreiber.

Im Katastrophenfall spielt der Turm übrigens auch bei der Weiterleitung von Daten und Informationen eine zentrale Rolle.