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Zehntausende auf der Flucht vor Boko Haram

Das Flüchtlingslager Dar es Salaam im Tschad. Mehr als 18.000 Menschen sind vor der Gewalt der Terrorgruppe Boko Haram aus dem benachbarten Nigeria

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Zehntausende auf der Flucht vor Boko Haram

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Das Flüchtlingslager Dar es Salaam im Tschad. Mehr als 18.000 Menschen sind vor der Gewalt der Terrorgruppe Boko Haram aus dem benachbarten Nigeria hierher geflohen, dazu kommen gut 8500 Menschen, die in den Tschad zurückgekehrt sind. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat ein Notfallteam eingesetzt, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Viele von ihnen sind nach den Angriffen auf die Stadt Baga im Januar geflohen. Hunderte waren dabei getötet worden.

Der Direktor des Camps, Idriss Dezeh, sagt, manche Kinder hätten ihre Eltern und andere Kinder neben sich sterben sehen. Sie seien selbst nur knapp einer Hinrichtung entgangen. Glücklicherweise vergesse man derartige Grauen in diesem Alter relativ schnell. Jedes Kind habe seine eigene Geschichte. Die Schulen im Lager sind größtenteils improvisiert. Die Flüchtlinge aus Nigeria sprechen Englisch, die aus dem Tschad Französisch. Das sorgt für noch mehr Verwirrung unter den ohnehin schon traumatisierten Kindern.

euronews-Reporter Luis Carballo: “Seit der Gründung von Boko Haram vor zehn Jahren hat die Gruppe Tausende Zivilisten getötet oder entführt. Zehntausende sind aus Nigeria geflohen, um sich vor den Terroristen zu retten. Die Gruppe ist extrem brutal, auch was die Wahl ihrer Waffen angeht. Außer, dass sie alles verloren haben, leiden die meisten Flüchtlinge zusätzlich unter extremen psychologischen Traumata.”

Nicht zu wissen, was mit Eltern und Nachbarn geschehen ist, bedeutet eine große Belastung für die Familien. Viele von ihnen kommen aus Baga. Dort hat Boko Haram eines der schlimmsten Massaker in Nigeria verübt. Um Angst zu verbreiten, werden Menschen entführt. Die Gruppe kauft, verkauft und versklavt ihre Opfer.

Stephanie Giandonato ist Chefin der “Ärzte ohne Grenzen”-Mission:
“Viele der Flüchtlinge haben den extrem brutalen Tod ihrer Verwandten mit ansehen müssen. Als diese Menschen im Tschad und im Lager Dar es Salaam angekommen sind, waren sie nicht nur körperlich extrem erschöpft. Allein den Tschadsee zu überqueren ist extrem anstrengend. Sie sind auch psychisch sehr schwach”, sagt sie.

Aber auch im Tschad wird es seit Februar immer gefährlicher, seitdem Boko Haram auch auf dieser Seite der Grenze zuschlägt. Die Gruppe will ein Kalifat im Norden Nigerias errichten. Nach eigenen Angaben haben die Regierungstruppen sie aus fast allen 20 einst besetzten Regionen vertrieben. Nur drei seien noch unter der Kontrolle der Terroristen. Allerdings bleiben weiterhin Tausende Flüchtlinge in den Camps zurück, die sich nicht in ihre Heimat zurücktrauen.