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Atomverhandlungen in Lausanne: "Die USA können der iranischen Regierung vertrauen"

Die Marathonverhandlungen über das iranische Atomprogramm in Lausanne sind über die selbst gesetzte Frist der Teilnehmer hinaus fortgesetzt worden

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Atomverhandlungen in Lausanne: "Die USA können der iranischen Regierung vertrauen"

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Die Marathonverhandlungen über das iranische Atomprogramm in Lausanne sind über die selbst gesetzte Frist der Teilnehmer hinaus fortgesetzt worden. Vertreten waren die Außenminister der USA, Frankreichs, Großbritanniens, Deutschlands und des Irans sowie hochrangige Diplomaten aus China und Russland. Der Westen will Garantien dafür, dass das iranische Atomprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken dient. Teheran hat stets bestritten, Atomwaffen anzustreben, und fordert die schnelle Aufhebung von Wirtschaftssanktionen.

Über die Verhandlungen in Lausanne hat für euronews Nima Ghadakpour mit dem Teheraner Politikwisschenschaftler Sadegh Zibakalam gesprochen.

Nima Ghadakpour, euronews: “Die Verhandlungen um das iranische Atomprogramm gehen weiter. Wir sprechen darüber mit Dr. Sadegh Zibakalam in Teheran. Obwohl beide Seiten einen wichtigen Fortschritt in den Verhandlungen sehen, gibt es immer noch Probleme. Was ist es Ihrer Meinung nach, das den Iran und die 5+1-Gruppe daran hindert, zu einer Einigung zu finden?”

Sadegh Zibakalam: “Zwischen dem Iran und den USA herrscht seit 36 Jahren ein gegenseitiges Misstrauen. Seit 19 Monaten sind die Amerikaner aber mit einer Regierung konfrontiert, der sie vertrauen können. Sollte es zu einer Einigung über das Atomprogramm kommen, können sie auf diese Regierung zählen. Die Diplomaten, die dort verhandeln, stehen aber unter dem Druck der Ultra-Konservativen in beiden Ländern. Die Regierung von Obama steht unter dem Druck der Neo-Konservativen und Israels, deshalb wollen sie, dass ein Abkommen alle Parteien zufrieden stellt – dahingehend, dass der Iran, sollte er eines Tages Atomwaffen anstreben, dafür viel Zeit brauchen würde. Die iranische Seite will, dass die Sanktionen kurzfristig aufgehoben werden.”

euronews: “Der israelische Geheimdienstminister ließ heute mitteilen, dass auch bei einer Einigung in Lausanne ein militärischer Angriff eine Option bleibe. Was ist seine Botschaft an die Verhandlungsteilnehmer in der Schweiz?”

Sadegh Zibakalam: “Die Ultras auf beiden Seiten machen das Gleiche; im Iran hat gestern der Anführer der Bassij-Kämpfer, General Naghdi, erneut gesagt, dass man Israel von der Landkarte radieren werde. Meiner Meinung nach ist es nicht nötig, in dem Moment, in dem der Iran Verhandlungen führt, derartige Töne anzuschlagen. Das ist genau das Gleiche, wie die Aussage des israelischen Ministers. An einem solch delikaten Punkt würden alle, die das Ende der Islamischen Republik Iran wünschen, sich über ein Abkommen ärgern. Israel ist dafür ein gutes Beispiel. Diejenigen, die den Fall des Regimes im Iran wollen, würden sich im Falle eines Abkommens einer Realität gegenüber sehen, in der der Iran noch stärker da steht.”

euronews: “Eine letzte Frage. Sie sind in Teheran. Was erwartet das iranische Volk von diesen Verhandlungen?”

Sadegh Zibakalam: “Obwohl die Iraner in dieser Woche das neue Jahr feiern und im Urlaub sind, hören viele von ihnen Radio oder sehen sich die Fernsehnachrichten an, um das Ergebnis des Verhandlungsmarathons in Lausanne zu erfahen. Ich denke, dass es, abgesehen von der Zeit des Krieges gegen den Irak, nie eine solche Empathie zwischen dem iranischen Volk und dem Staat bei einem derartig sensiblen Thema gegeben hat.