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Zypern beendet Kapitalverkehrskontrollen

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Zypern beendet Kapitalverkehrskontrollen

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Zypern hat die in der Finanzkrise eingeführten Kapitalverkehrskontrollen beendet. “Alle Einschränkungen wurden aufgehoben,” so der Zuständige im Finanzministerium in Nikosia, Andrea Charalambous.

■Unternehmen müssen künftig für Kapitaltransfers ins Ausland von mehr als zwei Millionen Euro nicht mehr vorher eine Genehmigung der Behörden einholen. ■Privatpersonen können pro Monat 20.000 Euro ins Ausland überweisen – doppelt so viel wie bisher. ■Auf Reisen ins Ausland dürfen Privatpersonen künftig wieder bis zu 10.000 Euro in bar mitnehmen – zuvor waren es 6000 Euro.

Im Frühjahr 2013 waren auf Zypern wegen einer Liquiditäts- und Bankenkrise strenge Kapitalkontrollen eingeführt worden. Während der ersten Monate durften Reisende
höchstens tausend Euro pro Auslandsreise mitnehmen. Die Summe wurde in den vergangenen Monaten stufenweise angehoben.

Das Euroland war im Frühjahr 2013 nur mit Hilfe internationaler
Geldgeber vor der Pleite bewahrt worden. Die Euro-Staaten und der IWF boten Zypern zehn Milliarden Euro Hilfskredite an – unter der Bedingung, dass Zypern selbst sieben Milliarden Euro zur Sanierung seiner Banken beisteuert.

Auf dem Höhepunkt der Krise konnten Kunden der beiden größten zyprischen Banken zeitweise nur noch 100 Euro täglich am Geldautomaten abheben. Anleger mussten mit einer Zwangsabgabe zur Rettung beitragen und verloren während der Krise 13 Milliarden Euro. Die Kunden des größten Geldinstituts, der Bank of Cyprus (BOC), wurden mit 47,5 Prozent ihrer Guthaben von mehr als 100.000 Euro zur Sanierung herangezogen. Die zweitgrößte Bank des Landes, die Laiki Bank, wurde zerschlagen.

Mittlerweile hat Zypern die engen Verbindungen seiner Banken mit Griechenland verringert. Zentralbank-Präsidentin Chrystalla Georghadji: „Wir hoffen, dass es keine Probleme in Griechenland gibt, wenn doch, sind unsere Banken abgeschirmt.“

Zyprische Banken hatten viel Geld in Griechenland investiert und Kredite ausgegeben, die nach dem Schuldenschnitt im Frühjahr 2012 nicht zurückgezahlt wurden. Mit Einlagen von 70 Milliarden Euro bei einem Bruttosozialprodukt von nur rund 18 Milliarden Euro galt das zyprische Bankenwesen als extrem aufgebläht.

Zu diesem Ungleichgewicht war es nach Ansicht von Experten gekommen, weil die Mittelmeerinsel über Jahre kapitalkräftige Investoren – darunter reiche Russen, Ukrainer, Briten und Griechen – mit niedrigen Steuern, hohen Zinsen und laschen Kontrollen geködert habe. Zentraler Punkt der Reformauflagen der Euro-Zone und des IWF war denn auch die Verkleinerung des im Vergleich zur Wirtschaftskraft Zyperns überdimensionierten Finanzsektors.

su mit Reuters, dpa, AFP