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Shell kauft sich Weltmarktführung in Flüssiggas

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Shell kauft sich Weltmarktführung in Flüssiggas

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Shell kauft für 64 Milliarden Euro den britischen Gasproduzenten BG – die größte Übernahme in der Energiebranche seit mehr als zehn Jahren.

Das Management beider Konzerne hat dem Geschäft zugestimmt.

Der britisch-niederländische Energieriese will damit zum global führenden Anbieter von Flüssiggas (LNG) aufsteigen und den Rückstand zum US-Ölweltmarktführer ExxonMobil verringern.

Shell bekommt mit BG milliardenschwere Projekte in Brasilien, Ostafrika, Australien, Kasachstan und Ägypten. Darunter sind auch einige der weltweit ambitioniertesten Projekte mit Flüssiggas, das in der Branche als zukunftsträchtiges Geschäft gilt. Vor allem europäische Abnehmer erhoffen sich davon angesichts des Ukraine-Konflikts eine größere Unabhängigkeit vom Erdgas-Lieferanten Russland, der sich auf gigantische Pipeline-Netze stützt. Die LNG-Technologie ermöglicht, Erdgas weltweit zu handeln. Es wird mit riesigen Spezialtankern über die Weltmeere verschifft und kann auch per Bahn und Lkw transportiert werden. Zum Einsatz kommt es in Kraftwerken und Chemiefabriken. Zunehmend setzen aber auch Speditionen und Reedereien in Lastwagen und Schiffen auf den Treibstoff, der deutlich sauberer verbrennt als Diesel.

Der Zukauf soll die Öl- und Gas-Reserven von Shell um 25 Prozent steigern. Das Management begründet den Kauf auch mit Einsparungen: Pro Jahr soll er Synergien von rund 3,4 Milliarden Euro vor Steuern bringen.

Die Megafusion wird den Verkauf ganzer Geschäftsbereiche nach sich ziehen: Shell kündigte an, sich bis 2018 von Konzernteilen und Beteiligungen für bis zu 28 Milliarden Euro zu trennen. Im Januar hatte der Ölmulti die geplanten Verkäufe pro Jahr noch mit bis zu 5,5 Milliarden Euro beziffert.

BG stand zuletzt erheblich unter Druck: Schwindende Gasreserven in Ägypten und die niedrigen Ölpreise bereiten dem Konzern Probleme. Wegen des Ölpreisverfalls hatte BG 2014 seine Gas-Leitungen in Australien verkauft. Seit Juni vergangenen Jahres ist der Aktienkurs um fast 28 Prozent gesunken. Nicht zuletzt deshalb galt BG seit längerem als Übernahmekandidat. An dem neuen Konzern sollen die BG-Aktionäre rund 19 Prozent halten.

Exxon Mobil ist an der Börse knapp 325 Milliarden Euro wert, Royal Dutch Shell – vor BP und Total – gut 177 und die BG Group fast 40 Milliarden Euro.

Es ist die erste Großfusion in der Branche seit der Phase um die Jahrtausendwende. Sinkende Preise machten damals den Energiekonzernen ähnliche Schwierigkeiten wie heute.

Der britische Ölmulti BP kaufte die amerikanischen Rivalen Amoco und Arco. Exxon übernahm Mobil, und Chevron schloss sich mit Texaco zusammen.

Wegen der starken Präsenz beider Unternehmen in der Europäischen Union, in Australien, Brasilien und China rechnet Shell-Chef Ben van Beurden mit intensiven Verhandlungen mit den Wettbewerbshütern.

Royal Dutch Shell lässt sich die Übernahme der BG Group, die einst aus dem Konzern British Gas hervorging, einen Aufschlag von gut 50 Prozent auf den durchschnittlichen BG-Aktienkurs der vergangenen drei Monate kosten. Bezahlt wird in bar und Aktien. An der Börse löste der Deal ein geteiltes Echo aus: Die Aussicht auf den kräftigen Aufschlag ließ die BG-Aktien an der Londoner Börse um knapp 40 Prozent nach oben schnellen. Shell-Papiere gaben hingegen zwei Prozent nach. Den europäischen Branchenindex trieb die geplante Fusion auf den höchsten Stand seit sechs Jahren.

su mit Reuters