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Trauer um Günter Grass

Grass war einer der weltweit bekanntesten Schriftsteller deutscher Sprache. Sein Ruhm gründete sich vor allem auf seinen ersten Roman "Die Blechtrommel" von 1959.

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Der Schriftsteller Günter Grass ist tot.

Meinung

"Grass war die Vaterfigur für das Denken und Schreiben der erwachsen werdenden Bundesrepublik."

Er starb mit 87 Jahren in einem Krankenhaus im norddeutschen Lübeck.

In der Nähe von Lübeck, in Behlendorf, hatte er die letzten 25 Jahre gelebt; geboren war er im heute wieder polnischen Danzig oder Gdansk.

Das dortige Günter-Grass-Haus “fand zum Abschied einige passende Zeilen von Grass selber”:
http://grass-haus.de/de/1365/guenter-grass-gestorben.html.

Grass war einer der weltweit bekanntesten Schriftsteller deutscher Sprache.

Sein Ruhm gründete sich vor allem auf seinen ersten Roman “Die Blechtrommel” von 1959.

Das Buch wurde von Volker Schlöndorff auch verfilmt; der Film wurde ebenfalls ein Welterfolg und 1980 mit einem “Oscar” geehrt.

In der “Blechtrommel” erzählt Grass von dem aus Danzig stammenden Oskar Matzerath, der sich aus Protest mit drei Jahren weigert, weiter zu wachsen.

Noch vor zwei Wochen, am 28. März, hatte Grass “im Hamburger Thalia-Theater die Uraufführung der “Blechtrommel” auf der Bühne”:http://www.thalia-theater.de/de/aktuell/ miterlebt und auch die Premierenfeier besucht.

“Die Blechtrommel” bildet zusammen mit der Novelle “Katz und Maus” (1961) und dem Roman
“Hundejahre” (1963) die “Danziger Trilogie”.

Weitere wichtige Werke sind zum Beispiel die Romane “Der Butt” (1977) und “Die Rättin” (1986).

Grass verfasste auch die Novelle “Im Krebsgang” (2002) über das Kriegsleid der Deutschen am Beispiel des 1945 versenkten Flüchtlingsschiffs “Wilhelm Gustloff”.

Sein letztes Buch mit dem Titel “Vonne Endlichkait” wird im Sommer erscheinen.

Grass habe bis wenige Tage vor seinem Tod an dem Buch gearbeitet, sagte sein Verleger Gerhard Steidl in Göttingen.

Grass mischte sich auch immer wieder in die Politik ein; seine Vorlieben waren dabei eindeutig sozialdemokratisch. Schon Willy Brandt kannte er gut; immer wieder unterstützte er die SPD in Wahlkämpfen.

Nach dem Krieg setzte er sich früh für die Aussöhnung mit Polen ein; Anfang der Siebzigerjahre unterstützte er Brandts Ostpolitik.

Die Todesnachricht löste auch in Gdansk Betroffenheit aus. Bürgermeister Pawel Adamowicz sagte: “Er war unser Landsmann.” Grass war Ehrenbürger seiner Geburtsstadt.

In späten Jahren gab Grass in seiner Autobiografie zu, er habe als Jugendlicher in Nazideutschland in der Waffen-SS gekämpft. Allerdings hatte er das auch vorher nicht streng verheimlicht.

Für Aufsehen sorgte er vor zwei Jahren auch mit dem Gedicht “Was gesagt werden muss”, das Israels Politik kritisierte – insbesondere im Atomstreit mit Iran, während es doch selber Kernwaffen besitze.

Kurz danach verurteilte er in seinen Äußerungen auch den Bau israelischer Siedlungen auf palästinensischem Gebiet.

1999 wurde Günter Grass mit dem Literaturnobelpreis geehrt.

Die Begründung: Er habe “in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet”.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier würdigte Günter Grass in einer Stellungnahme. Er sagte: “Grass war die Vaterfigur für das Denken und Schreiben der erwachsen werdenden Bundesrepublik. Einer, an dem sich viele gerieben haben – besonders diejenigen, die schnellstmöglich das Vergangene ruhen lassen wollten.”