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Hunderttausende Brasilianer fordern erneut Absetzung von Präsidentin Rousseff

Hunderttausende Brasilianer haben erneut gegen die Korruption und für eine Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff demonstriert. Sie

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Hunderttausende Brasilianer fordern erneut Absetzung von Präsidentin Rousseff

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Hunderttausende Brasilianer haben erneut gegen die Korruption und für eine Amtsenthebung von Präsidentin
Dilma Rousseff demonstriert. Sie skandierten “Dilma raus” oder “Korrupte Regierung”. In mehr als 150 Städten versammelten sich rund eine halbe Million Menschen. Das waren weit weniger als die rund zwei Millionen Teilnehmer Mitte März.

Aber Umfragen zeigen, dass die Unzufriedenheit weiter steigt: 75 Prozent der Brasilianer fordern eine Amtsenthebung. Die sozialistische Staatschefin war erst im Oktober vergangenen Jahres knapp wieder gewählt worden. Seitdem sank die Popularität der 67-Jährigen rapide ab. Allein zwischen Februar und März fiel die Zustimmung von 23 Prozent auf 13 Prozent.

Im Fokus der Proteste steht der Korruptionsskandal um den staatlichen Erdölkonzern Petrobas. Die Brasilianer machen Rousseff dafür verantwortlich, denn zwischen 2003 und 2010 saß sie im Verwaltungsrat des Konzerns, in dem mehrere Milliarden Dollar veruntreut wurden. Die Justiz ermittelt gegen knapp 50 Politiker.

Rousseff erließ neue Maßnahmen gegen die Korruption. Doch die konnten die Gemüter nicht beruhigen. Hinzu kommt die prekäre, wirtschaftliche Lage des Landes. Der Ökonom Gilberto Braga sagte: “Das Jahr 2015 hat einen Frühjahrsputz nötig. In der Wirtschaft werden Maßnahmen ergriffen, um den großen Schaden, den Rousseff angerichtet hat, zu beheben. Um wieder gewählt zu werden, hatte sie zahlreiche Zugeständnisse gemacht – an Leute, die sich so verhielten, als ob sie einen Blancoscheck hätten. Jetzt ist es an der Zeit, dass sie dafür bezahlen.”

2014 stagnierte das Bruttoinlandsprodukt bei 0,1 Prozent. Laut dem Internationalen Währungsfonds soll es in diesem Jahr auf Minus ein Prozent fallen. Die Inflation liegt bei 8,13 Prozent – so hoch wie seit 1990 nicht mehr.

Für zusätzlichen Ärger sorgt ein umstrittenes Gesetz der Konservativen, das ein Outsourcing an Drittfirmen regelt. Dieses ermöglicht die Abgabe von internen Unternehmensaufgaben an externe Dienstleister sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor.

Rousseff ist zwar dagegen, verfügt im Parlament aber über keine Mehrheit.
Die Gewerkschaften fürchten einen enormen Stellenabbau und zahlreiche Entlassungen. Für diesen Mittwoch riefen zu einem Streik auf.