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Türkische Lira fällt unter Psycho-Marke

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Türkische Lira fällt unter Psycho-Marke

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Die türkische Lira ist auf einen neuen Tiefstwert gegenüber dem Dollar gefallen – ein Dollar kostet nun 2,703 Lira – so viel wie noch nie, seit die Türkei 2004 die alte durch die neue Lira ersetzte. 2,7, das war eine Psycho-Schwelle. Anfang des Jahres hatte der Dollar noch 2,33 Lira gekostet -14 Prozent weniger. Und das wenige Wochen vor der Parlamentswahl. Wirtschaft und Notenbank stehen unter Druck.

Auch die anhaltende Kritik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an der Geldpolitik der Zentralbank Cenbank drückt auf die Stimmung, viele machen sich Sorgen um die Unabhängigkeit der Notenbank.

Erdogan fordert Zinssenkungen zur Wirtschaftsförderung, während die Notenbank versucht, die Lira zu stabilisieren.
Zwar könnte eine schwache Lira die türkische Wirtschaft wettbewerbsfähiger machen. Andererseits erreichen jedoch die Schulden türkischer Unternehmen in Dollar fast ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts.

Volkswirte internationaler Investmentbanken wie Ahmet Akarli von Goldman Sachs kritisieren (laut Finanznachrichtenagentur Bloomberg) auch die geringen Nettowährungsreserven der Notenbank – 35 Milliarden Dollar. Sie deckten den Importwert von zwei Monaten ab und würden von kurzfristigen Fälligkeiten in fremder Währung von 166 Milliarden Dollar deutlich übertroffen. Akarli befürwortet 300 Milliarden Dollar Reserven.

Der niedrigere Ölpreis reduzierte das chronisch hohe Leistungsbilanzdefizit. Allerdings lag es im März mit 3,2 Milliarden Dollar dennoch deutlich über der Prognose von 2,8 Milliarden.

Finanziert wird die Lücke zur Zeit zu einem großen Teil durch Kapitalzuflüsse unbekannter Herkunft in Höhe von zuletzt 4,3 Milliarden Dollar. Zollminister Nurettin Canikli vermutet dahinter Kapitalzuflüsse vom Balkan und aus dem Nahen Osten, in denen die Türkei als vergleichsweise sicherer Hafen gilt. Finanzmarktexperten (Mehmet Besimoglu, Chef-Volkswirt beim Broker Oyak Menkul Değerler gegenüber Bloomberg) geben zu bedenken, dass diese unbekannten Gelder ebenso schnell wieder abgezogen werden könnten.

Die Rendite zehnjähriger Anleihen in Lira ist seit Ende des vergangenen Jahres von weniger als 7 auf mehr als 8,5 Prozent gestiegen.

su mit Reuters