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Pleiterisiko: Die Völker der Welt schauen auf diese Stadt - Athen

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Pleiterisiko: Die Völker der Welt schauen auf diese Stadt - Athen

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Griechenland läuft die Zeit davon – wieder einmal. Bis Ende des Monats muss das Land sich mit den Europartnern einigen, sonst droht der Grexit, der Austritt aus dem Euro.

Die ärgern sich immer häufiger öffentlich. Bis hin zu Gerüchten, Griechenland wolle raus und suche nur noch einen Anlass.

Napoleon Maravegias, Ökonom:

“Ob ich mir Sorgen mache? Ganz klar tue ich das und nicht nur als Ökonom. Jeder griechische Bürger Sorgen. Jeder Rückschlag bei den Verhandlungen mit unseren Kreditgebern macht die Sache noch schwieriger, der Markt “trocknet aus.”

Bei der Ratingagentur Standard & Poor’s werden griechische Schulden inzwischen mit “CCC+” bewertet (vorher “B-”) – Ramsch.

Takis Zamanis, Trader:

“Das zeigt, was die Märkte denken – dass wir am Rande des Bankrotts stehen. In den vergangenen Wochen war das die vorherrschende Meinung auf dem Finanzmarkt. Das sieht man an den hohen Zinsen und an der Art, wie Transaktionen abgewickelt werden.”

Keine Einigung mit den Kreditgebern in den kommenden vier Wochen – das heiße Pleite, warnt Standard & Poor’s.

“Auf griechischer Seite sitzen Leute, die gerade erst ins Amt gekommen sind und sich erst einmal an die Realität gewöhnen müssen“, erklärt Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank. „Die zögern bis zum letzten Moment, in der Hoffnung, dass Europa noch einen Schritt auf sie zukommt.“

Auf einen Deal in letzter Minute zu setzen, das bringt es aber nicht, mahnt IWF-Chefin Christine Lagarde. Einen Zahlungsaufschub lehnte sie ab. Eine Fristverlängerung für die Rückzahlung der nächsten Kreditrate an den IWF sei ein “unpassender” Weg, so Lagarde zum Auftakt der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank in Washington. Seit 30 Jahren habe der Währungsfonds keinem Land einen Zahlungsaufschub gewährt. Bei vergleichbaren Fällen in der Zeit davor sei das Ergebnis “nicht sehr produktiv” gewesen.

Symela Touchtidou, euronews:

“Ein Jahr ist es her, dass Griechenland ein erstes Comeback an den Märkten versucht hat. Damals empfingen es die Anleger mit einer gewissen Zuversicht und relativ niedrigen Zinsen. Nach der neuen Abstufung scheint das Ewigkeiten her.”

“Der Schlüssel zur Lösung”, so das Orakel Wolfgang Schäuble aus dem fernen Washington, “liegt in Athen und nirgends sonst.”

Dort gibt es inzwischen zahllose Experten in Realökonomie:

Takis Giannopoulos, Mitarbeiter in einem Blumenladen:

“Wir sind doch schon raus aus den Finanzmärkten, oder? Das ist eine Tatsache. Ob ihr uns herabstuft oder nicht – ist Banane. Sie versuchen, die Leute zu erschrecken. Dabei waren wir schon die ganze letzte Zeit jeden Monat pleite.”

Nach Angaben des stellvertretenden Finanzministers Dimitris Mardas waren die Staatseinnahmen Griechenlands im März höher als erwartet.

In die Staatskasse seien netto 4,2 Milliarden Euro geflossen. Ziel sei die Einnahme von 3,2 Milliarden Euro gewesen. In der Summe sind Beträge der Sozialversicherungen und Regionen nicht enthalten. Damit unterscheidet sich die Zahl von den Daten, die die internationalen Kreditgeber verwenden.

Wegen niedriger Steuerzahlungen hatten die Einnahmen im Januar und Februar nicht die Ausgaben gedeckt.

su mit dpa